Paris-Konzert
Madonna mahnt zu Toleranz und Offenheit

Popdiva Madonna sorgt seit Beginn ihrer Welttournee für Schlagzeilen. Die Front-National-Chefin Marine Le Pen zeigte sie in einem Video mit Hitlerbart und handelte sich eine Klage ein. In Paris warnte sie vor Intoleranz.
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ParisTrotz einer Klage der rechtsextremen Partei Front National (FN) hat Popdiva Madonna ihren Feldzug gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in Frankreich fortgesetzt: Bei einem Konzert in Paris warnte die US-Sängerin am Donnerstagabend vor zunehmender Intoleranz angesichts der Wirtschaftskrise. Das umstrittene Video, in dem FN-Chefin Marine Le Pen mit einem Hakenkreuz auf der Stirn zu sehen ist, zeigte Madonna aber nicht erneut.

In Rock und Lederstiefeln und mit langen blonden, gewellten Haaren gab der Star ein nicht einmal eine Stunde dauerndes Sonderkonzert im traditionsreichen Konzertsaal Olympia. Kurz nach Beginn lobte die Popdiva dann die Toleranz und Offenheit in Frankreich: Zu Zeiten, als schwarze Künstler in den USA mit einem Auftrittsverbot diskriminiert worden seien, seien Größen wie Josephine Baker und Charlie Parker in Frankreich „mit offenen Armen" empfangen worden, sagte Madonna vor rund 2700 Fans. „Farbige Menschen, andere Menschen, Minderheiten fühlten sich in Frankreich willkommen", rief sie aus.

Heute herrschten indes „furchterregende Zeiten", erklärte die Sängerin weiter. „Volkswirtschaften brechen zusammen, die Menschen in Griechenland haben nichts zu essen, überall gibt es Leid und die Menschen haben Angst." In Anspielung auf die Thesen der rechtsextremen FN fügte Madonna hinzu: „Und was passiert, wenn Menschen Angst haben? Sie werden intolerant." Zugleich versicherte sie: „Ich weiß, dass ich eine gewisse Marine Le Pen sehr verärgert habe und es ist nicht meine Absicht, mir Feinde zu machen."

Die rechtsextreme Partei hatte Mitte Juli eine Beleidigungsklage gegen Madonna eingereicht. Laut der Klageschrift wirft sie der Popdiva vor, sie habe Marine Le Pen als „Nazi" verunglimpft. Die Sängerin hatte während ihres Konzerts im Pariser Stade de France am 14. Juli ein Video gezeigt, in dem Le Pen kurz mit einem Hakenkreuz auf der Stirn zu sehen ist.

Der Clip hatte bereits zum Auftakt von Madonnas Welttournee Ende Mai in Tel Aviv für Wirbel gesorgt: In dem Video zum Lied „Nobody Knows Me" war wenige Sekunden lang das aus Bildschnipseln zusammengesetzte Gesicht von Le Pen zu sehen. Danach wurde kurz ein Gesicht mit Hitlerbart eingeblendet. Für Beleidigung droht in Frankreich eine Strafzahlung von bis zu 12.000 Euro.

Viele Fans von Madonna waren wegen der kurzen Dauer des Sonderkonzerts am Donnerstagabend enttäuscht. Manche Besucher, die teils Stunden oder sogar Tage in tropischer Hitze vor dem Konzertsaal gewartet hatten, blieben aus Protest nach dem Auftritt im Saal, warfen leere Wasserflaschen auf die Bühne und forderten ihr Geld zurück. Ein Besucher beschwerte sich: „Nicht einmal zehn Lieder, kein Danke, kein Auf Wiedersehen. Wir haben 180 Euro für die Karte bezahlt, das ist wirklich hart."

Unter den Zuschauern im Olympia war auch der als James-Bond-Darsteller bekannt gewordene Schauspieler Pierce Brosnan. Madonna gibt ihr nächstes Konzert in Frankreich am 21. August in Nizza.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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