Paris Photo
Der Hang zum Riesenformat

Die weltweit wichtigste Fotomesse, die „Paris Photo“, zeigt neue Trends neben Klassikern der Lichtbildnerei. Riesenformate sind generell eine auffallende Tendenz dieser 14. Spitzenveranstaltung – häufig gepaart mit romantischen Naturaufnahmen.
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PARIS. Die internationale Foto-Szene trifft sich im Carrousel du Louvre auf der Spitzenmesse „Paris Photo“. 106 Galeristen und 15 Verleger aus 25 Ländern, davon 18 aus den USA und 9 aus Deutschland, zeigen bis zum 21. November alle Facetten der Fotografie. Gelegentlich treffen die Messebesucher auch auf Videos, etwa bei der DNA Galerie aus Berlin, die eine Tierdokumentation von 2010, „Morning Mood“, von Mariana Vassileva vorstellt. Vassileva filmte in Australien Fledermäuse. Das Videoband aus einer 5er-Edition kostet 6 000 Euro.

Angenehm ist diesmal das Gleichgewicht zwischen der Fotografie des 19. Jahrhunderts, den Klassikern der 1920er- und 1930er-Jahre und den Arbeiten der Gegenwart. Das geht auf die Rückkehr nordamerikanischer Galeristen mit ihren Vintage-Prints – also Abzügen, die zeitnah zur Aufnahme vom Künstler selbst gemacht wurden – zurück, aber auch auf das diesjährige Thema: die Fotografen aus Osteuropa. Allen voran steht André Kertész. Seine Retrospektive im Fotomuseum „Jeu de Paume“ zieht ein Überangebot nach sich; mit Abzügen in allen qualitativen und preislichen Regionen. Ihm folgen Martin Munkacsi, Josef Sudek, Laszlo Moholy-Nagy, Imre Kinszki, Miroslav Tichy, Anton Josef Trcka.

Johannes Faber, Wien, zeigt auch Heinrich Kühn, dem das Pariser Museum „Orangérie“ eine Retrospektive widmet. Mit dem Gummi-Pigment-Druck von Edward Steichen, ein Porträt von Richard Strauss von 1904, für 420 000 Euro markiert Faber schon die obere Preisgrenze der Messe.

BMW stiftet einen mit 12 000 Euro dotierten Fotopreis, den die Jury thementreu dem 48-jährigen Ungarn Gabor Ösz zuteilte. Sein Galerist Hervé Loevenbruck erklärt die Technik von Ösz, der Bunker oder Lastwagen als Camera obscura benützt, wenn er Architektur fotografiert. Loevenbruck präsentiert eine Solo-Schau von Ösz mit Groß- und Riesenformaten der vom Künstler sogenannten „Camera architectura“. Die Preise liegen hier zwischen 10 000 und 35 000 Euro.

Riesenformate sind generell eine auffallende Tendenz dieser 14. Fotomesse, häufig gepaart mit romantischen Naturaufnahmen: à la Caspar David Friedrich bei Hamilton’s, London, wo man eine Wolkenlandschaft des Australiers Murray Fredericks im Längsformat für 15 000 Pfund erwerben kann. Inspiriert von Luc Bessons Meeresfilm „Le grand bleu“, scheint ein romantisches Diptychon von Marko Vuokola, das Ilona Anhava aus Helsinki für 11 000 Euro anbietet.

Schon wesentlich kleiner werden eine Frühlingslandschaft von Simone Nieweg bei Susanne Breidenbach, Galerie m Bochum (7 200 Euro plus Mwst.) und Dirk Reinartz’ Blick auf Bismarcks Pickelhaube. Die teilweise durch strukturierende Baugerüste aufgenommenen Architekturfotos von Thomas Florschuetz liegen bei 13 000 Euro.

Der auf historische Fotografie spezialisierte H.P. Kraus, New York, wartet wieder mit einer Entdeckung auf: Er zeigt 15 Salzabzüge von Papiernegativen mit französischen Landschaften und Gebäuden aus den Jahren 1853 bis 1855, die Kraus dem Maler Henri Courmont zuschreibt (2 000 bis 130 000 Euro).

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