Paris Tableau
Abstieg in die zweite Liga

Die Altmeister-Messe „Paris Tableau“ hatte ein Menge marktfrischer Gemälde zu bieten, jedoch auch viel Mittelmaß. Insgesamt bot sie ein Spiegelbild der tristen Wirtschaftslage. Top-Stücke werden von den Händlern offenbar für die Tefaf in Maastricht aufbewahrt.
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PArisDie vierte Pariser Altmeistermesse „Paris Tableau“ hatte nur wenige Highlights zu bieten. Offensichtlich spiegelt die Messe, die von zehn Pariser Galeristen in der Paris Börse organisiert wurde, die pessimistische Wirtschaftslage Frankreichs wieder. 26 internationale Galerien, darunter zwei Rahmenhändler, nahmen an der vierten Ausgabe teil (13. bis 16. November 2014). Die erste Liga war allerdings abwesend.

Frappierend ist die durchgehend mittlere Qualität der Gemälde. Allerdings sah man viele Bilder zum ersten Mal. Vielleicht spielten aber auch die tristen Farben der flämischen Landschaften, der religiösen und mythologischen Sujets eine Rolle. Es ist evident, dass die Galeristen teure Meisterwerke, sofern sie noch auf den Markt kommen, für die Tefaf in Maastricht reservieren.

Frieze Masters ist keine Konkurrenz

Während die Position der Tefaf als Königin der Kunst- und Antiquitätenmessen gefestigt ist, gibt sich die Pariser Messe – zumindest in diesem Jahr - mit dem Abstieg in die zweite Liga zufrieden. Die Aussteller halten jedoch am Konzept fest, weil sie wissen, dass die Franzosen (auch die Finanzstarken unter ihnen, die ihren Wohnsitz inzwischen im Ausland haben), nach Paris anreisen und nach wie vor kaufen. Auf mehreren Ständen ist zu hören, dass die Londoner Frieze Masters keine ernstzunehmende Konkurrenz darstellt, weil die Käufer im Gegensatz zu Kontinentaleuropa selten über das nötige Grundwissen verfügen und noch seltener eine systematisch konzipierte Sammlung aufbauen möchten.

In diesem Jahr waren auf der Paris Tableau so viele Porträts wie nie zuvor zu sehen, als hätte die Geldnot viele Adelsfamilien dazu gezwungen, ihre Ahnengalerie zu vermarkten. Interessant ist das Bild eines eleganten jungen Soldaten. Gemalt haben könnte ihn der Hofmaler, Kunsthändler und Spion (!) Pieter Isaacsz im 17. Jahrhundert, meint der Porträtspezialist Mark Weiss (The Weiss Gallery, London).

Frisch gereinigt für die Messe

Der Clou der Messe ist ein kleines Querformat, das Napoléon auf dem Totenbett 1821 auf Sankt Helena zeigt. Der Arzt des verbannten Kaisers, Denzil O. Ibbetson, konstatierte den Tod, malte das Profil des Kaiser in Grautönen und sandte das Bild nach England. Von dort gelangte es zu den Pariser Galeristen Talabardon & Gautier, die es sofort verkauften.

Ein ebenfalls relativ kleines Gemälde von Moritz von Schwindt zeigt den Heiligen Georg mit dem Drachen. Roman Herzig von der Wiener Galerie Sanct Lucas weist auf den Originalrahmen mit der kunstvollen Bleiverzierung hin. 250.000 Euro sind für das frisch gereinigte Bild veranschlagt. „Praktisch alle Gemälde auf dieser Messe sind gereinigt“, erklärt Herzig rasch auf Nachfrage. Unter den religiösen Darstellungen, die es in Menge und allen Formaten gibt, ragt eine „Maria mit dem Kind“, die nach Angaben des Brüsseler Kunsthändlers De Jonckheere zwischen 1480 und 1500 entstanden sein soll. Schöpfer ist ein Meister, der für die Laubdarstellung gestickter Mantelsäume bekannt wurde.

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