Paris Tableau
Solides Mittelmaß überwiegt

Einmal so werden wie die Tefaf im Kleinen – das war der ehrgeizige Plan der Altmeister-Messe „Paris Tableau“, als sie vor fünf Jahren antrat. Doch die Wirtschaftskrise in Frankreich dämpft die Kauflust. Das hat Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Aussteller und das Angebot.

Die fünfte Pariser Altmeister-Messe „Paris Tableau“ macht die „Lebenskunst und das Leben mit Kunst“ zu ihrem Motto. Zur Illustration dient die Reproduktion des Gemäldes von Guido Reni, „Bacchus und Ariane“, die über der Eingangstreppe des Palais Brongniart (der früheren Börse) schwebt und den Katalog und das Plakat schmückt. Im Inneren des Gebäudes vergisst man die Lebensfreude, denn der Dekorateur Eric Verschelden wählte dunkle Wände für die einheitlich gestalteten Stände. 25 Galeristen, darunter zwei Rahmenhändler, bieten bis zum 15. November 2015 Gemälde von 1400 bis 1900 an.

Ursprünglich war der zeitliche Rahmen auf das Jahr 1850 begrenzt; aber die Warenverknappung auf dem Altmeistersektor führte in diesem Jahr zur Anhebung der Datumsgrenze. Die seit einigen Jahren beobachtete Ausdünnung des Angebots führte ursprünglich zur Idee dieser – von der Ausstellerzahl her – bewusst klein gehaltenen Messe. Sie übernimmt das Erfolgsrezept des „Salon du Dessin“: Zehn organisierende Galerien luden anfangs zehn, inzwischen 15 internationale Händler ein.

Folgen der Wirtschaftsschwäche

Die Pariser Messe war als eine Art „Klein-Maastricht“ gedacht. Ihr kommerzieller Erfolg scheint sich jedoch in Grenzen zu halten, da die Wirtschaftssituation Frankreichs den Markt einschränkt.

Fast schon wie ein Alarmzeichen konstatierte man in diesem Jahr die Abwesenheit von Bob Haboldt (New York-Paris), der das Konzept der „Paris Tableau“ entwickelte und mit Maurizio Canesso in die Praxis umsetzte. Auch Giovanni Sarti und Eric Coatalem (beide Paris), die Wiener Galerie Sanct Lucas, Grassi Studio (New York) und der Züricher David Koetser stellen diesmal nicht aus, obwohl die Herren alle die Messe besuchten.

Dafür ist aber die Züricher Galerie Art Cuellar-Nathan mit einer imposanten Offerte dabei. Neben einer sehr dekorativen „Meereswelle“ von Gustave Courbet (um 1872/73), für die sie 900.000 Euro erwartet, fährt sie eine „Winterlandschaft“ von Paul Cézanne (ca. 1885) für 3 Millionen Euro auf. Es ist eines der teuersten Bilder dieser Messe. Seufzend ergänzt Cuellar, dass gerade bei Christie's ein Cézanne für ein Mehrfaches zugeschlagen wurde und man dementsprechend beim nächsten Ankauf mehr einsetzen müsste als seinen jetzigen Preis. wischen 20.000 und 300.000 Euro

Kunterbunte Offerte

Erstmals stellt auch Moretti aus Florenz aus, der auf italienische Goldgrundmalerei spezialisiert ist, jedoch in Paris vorwiegend großformatige Gemälde des 17. Jahrhunderts zeigt. Weitere Erstaussteller sind die auf französische Malerei spezialisierten Stoppenbach & Delestre aus London. Sie haben eine farbenfreudige, wegen ihrer Flächenbehandlung stilistisch Paul Gauguin und der Schule von Pont-Aven zuzuordnende Erntelandschaft am Stand. „Die Stoppelfelder in Guidel“ von Henry Moret von 1891 sollen 550.000 Euro kosten.

Zwei symbolistische, in den typischen Blautönen von Alphonse Osbert gehaltene Gemälde findet man bei Talabardon & Gautier (Paris) und Agnew’s (London). Talabardon hat die „Träumerei in der Nacht“ (1895) im matt -goldenen Originalrahmen sofort an eine Sammlerin verkauft; Agnew's neu und weiß gerahmte „Einsamkeit von Christus“ ist mit 50.000 Euro ausgepreist. Seit der Übernahme der früher so traditionsbewussten Galerie trifft man nun auf eine kunterbunte Offerte quer durch die Kunstgeschichte, deren Preise sich zwischen 20.000 und 300.000 Euro bewegen. Marc Weiss (London) fährt drei exzellente Porträts von Frans Pourbus d. J. auf, für die er über 2,1 Millionen Euro ansetzt.

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Rom, gesehen von Vanvitelli

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