Paul Gauguin
300 Millionen Dollar-Deal

Eines der schönsten Frauenbilder Paul Gauguins rückt an die Spitze der teuersten Kunstwerke der Welt. Verkäufer ist die Schweizer Familienstiftung Staechelin, der Käufer sitzt wahrscheinlich in Katar.
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WienIm Umfeld der Londoner Auktionen für Impressionistische Kunst und die Moderne kursierte diese Woche ein Gerücht, das dem internationalen Kunstmarkt eine Sensation bescheren könnte: Paul Gauguins Gemälde „Nafea faa ipoioo? (Wann heiratest Du?)“ sei abseits öffentlicher Auktionen über einen Private Sale für kolportierte 300 Millionen Dollar nach Katar verkauft worden. Ein Kaufpreis, der alle bisherigen Werte übersteigt, womit das 1892 in Tahiti gemalte Bild zum bislang teuersten Kunstwerk der Welt avancieren würde.

Der Eigentümer dieses Gemäldes ist die Schweizer Familienstiftung Staechelin. Auf Anfrage bestätigt Ruedi Staechelin, Enkel des Begründers der hochkarätigen Sammlung, den Abschluss eines Kaufvertrages für das Gemälde, „über den Käufer und den Preis“ sei jedoch Stillschweigen vereinbart worden.

Der kolportierte Preis von 300 Millionen Dollar scheint realistisch, ebenso Katar als neuer Standort, konkret die Hauptstadt Doha. Dorthin wanderten in den vergangenen Jahren immer wieder hochkarätige Kunstwerke ab, zuletzt neben einer Version von Paul Cezannes „Kartenspieler“ (2011 für 250 Millionen Dollar) etwa Gustav Klimts „Wasserschlangen II“ (2013 über Vermittlung von Sotheby’s Wien) für rund 120 Millionen Dollar. Seitens Katar werden solche Deals generell weder bestätigt noch dementiert.

Verkäufe nach Schieflage in den Sechzigern

„Nafea faa ipoioo?“ war einst von Staechelins Großvater Rudolf erworben worden und nach dessen Tod seit 1947 gemeinsam mit 27 anderen Kunstwerken als Leihgabe im Kunstmuseum Basel beheimatet. Als sein Vater Peter Staechelin in den 1960er-Jahren mit seinem Unternehmen in eine finanzielle Schieflage geriet, mussten einige Gemälde verkauft werden: darunter Van Goghs „La Berceuse (Die Amme)“, das für 3,25 Millionen Franken nach Paris veräußert wurde und schließlich für 4,25 Millionen in die USA in die Sammlung Pulitzer wechselte. Acht weitere Gemälde, darunter Renoirs „Blondine mit Strohhut“, übernahm laut einem damaligen Spiegel-Bericht (Nr. 49/1967) der Baseler Kunsthändler Ernst Beyeler.

Nafea blieb damals von diesem Abverkauf verschont.

Angebote früher stets abgelehnt

Im Laufe der Jahre habe Ruedi Staechelin immer wieder Angebote für das Gemälde erhalten, diese jedoch stets abgelehnt. Vergangenes Jahr lief jedoch der Leihvertrag mit dem Kunstmuseum Basel aus, das aufgrund von umfangreichen Sanierungs- und Umbauarbeiten (bis 2016) vor wenigen Tagen geschlossen wurde.

In natura wird Sheikha Al-Mayassa, die kunstsinnige und kauffreudige Tochter des Emirs, das Gemälde allerdings erst in einem Jahr bewundern können. Denn bis dahin befindet sich „Nafea“ auf Ausstellungstour. Aktuell in der spektakulären Gauguin-Retrospektive in der Fondation Beyeler (Basel, 8. Februar bis 28. Juni 2015), bei der sich der Versicherungswert aller gezeigten Werke auf insgesamt 2,5 Milliarden Franken beläuft. Danach stößt das Gemälde zu einer Schau in Madrid (Museum Reina Sofia, bis 14.9.) und wird abschließend in Washington (Phillips Collection, 10. Oktober 2015 bis 10. Januar 2016) vermutlich ein letztes Mal in der Öffentlichkeit zu sehen sein.

Katar stand auch hinter dem spektakulären, ebenfalls geheimen Deal zum Preis von mindestens 250 Millionen Dollar für das Gemälde "Die Kartenspieler" von Paul Cézanne Anfang Februar 2012. Auf dem Auktionsmarkt hält Francis Bacons Triptychon „Three Studies of Lucian Freud“ Platz 1 mit 142,4 Millionen Dollar, erzielt bei Christie’s New York im November 2013.

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