Paul Klee: Früchte der Provenienzforschung

Paul Klee
Früchte der Provenienzforschung

Die Düsseldorfer Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen erforschte fast drei Jahre lang das Vorleben ihrer Klee-Bilder. Das Publikum wollte sie an ihren erstaunlichen Entdeckungen teilhaben lassen und organisierte eine instruktive Ausstellung.
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DüsseldorfWer hätte gedacht, dass eine Ausstellung über die Geschichte „hinter“ den Bildern beim Publikum auf so fruchtbaren Boden fallen würde? Die Düsseldorfer Kunstsammlung  Nordrhein-Westfalen überlegt jedenfalls, ob sie ihre superb frequentierte Paul Klee-Schau nicht über den 10. Februar hinaus verlängern kann. Immerhin stammen alle 101 Exponate aus eigenem Bestand.

Der Klee-Bestand, der international zu den größten zählt, ist in vielfacher Hinsicht von zentraler Bedeutung. Er hat die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf nicht nur zu einer der größten Klee-Kollektionen weltweit gemacht. Er hat auch den Anstoß zur Gründung des Hauses geliefert und spielte eine wichtige Rolle im kulturellen Selbstfindungsprozess von Land und Republik in den 1960er-Jahren.

Der glückliche Moment

88 Werke umfasste der Grundstock, den das Land für 4,5 Millionen Dollar durch die Vermittlung des Schweizer Galeristen Ernst Beyeler von dem amerikanischen Industriellen David Thompson erworben hatte. Der Ankauf 1960 war ein Glücksfall. Er fiel passgenau in eine Zeit, in der das Land Nordrhein-Westfalen – nach den ersten Jahren des Wiederaufbaus – wild entschlossen war, Kultur zu fördern, insbesondere die von den Nazis verfemte Moderne.

Wie die Expressionisten gehörte Klee (1879-1940) einer Künstlergeneration an, die von den Deutschen nach Ende des Zweiten Weltkriegs erst entdeckt werden musste. Das dauerte eine Weile. „Hätte der Sammler seine Klee-Kollektion zehn Jahre früher angeboten, wäre sie nie angekauft worden“, erklärt Anette Kruszynski, Kuratorin der Düsseldorfer Landessammlung. „Klee war erst um 1960 ein anerkannter Künstler der Moderne.“

Botschafterin der Bundesrepublik

Die außenpolitische Mission der Klee-Sammlung begann 1966. Ab diesem Zeitpunkt bis 1985 tourte sie als Botschafterin der neuen Bundesrepublik Deutschland durch die Welt; verständlicherweise zuallererst nach Israel. Das heutige Publikum der Klee-Ausstellung bekommt diese Geschichte erzählt. Fünf Bildrückseiten haben die Organisatoren sichtbar gemacht, darunter auch die zweier Bilder, auf denen die Aufkleber des Israel Museum Jerusalem und des Tel Aviv Museum, Helena, zu sehen sind.

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