Paul Klee
Früchte der Provenienzforschung

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Generalvertrag mit Kahnweiler

Erleichtert ist die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen darüber, dass die Provenienz vieler Klee-Arbeiten geklärt werden konnte. Allerdings muss sie sich mit zwei Restitutionsersuchen auseinandersetzen, von denen eines ein Klee-Werk betrifft. Es geht um eine der schönsten farbigen Arbeiten Klees: die „Federpflanze“ von 1919, gemalt mit Ölfarbe und Feder auf Leinen, das mit grünen Papierstreifen eingefasst wurde. Die Arbeit befand sich lange und wiederholt als Eigentum oder in Kommission in den Händen des jüdischen Galeristen Alfred Flechtheim, der wenige Jahre nach seiner Emigration in Großbritannien starb. Wann der Klee-Sammler Thompson es erwarb, lässt sich bislang nicht feststellen.

Forschung kam ins Stocken

Die Forschungen zur „Federpflanze“ kommen nicht weiter, weil in Dokumente Einsicht genommen werden müsste, die sich im nicht mehr zugänglichen Archiv der Galerie Daniel-Henry Kahnweiler in Paris befinden. Klee war 1933 emigriert. 1935 hatte er mit Kahnweiler einen Generalvertrag abgeschlossen, der den weiteren Vertrieb seiner Werke regelte.

Eine riesige Lücke in der Provenienz tut sich bei dem Aquarell „Rote u. weisse Kuppeln“ von 1914. Offen ist auch, ob es sich bei der „Kosmischen Komposition“ von 1919, einem der ersten Gemälde Klees, um das Exemplar handelt, das der Künstler Gert H. Wollheim mitnahm, als er in die USA emigrierte. Bei einer kleinen Glasmalerei, die sich ursprünglich im Besitz des Patenonkels von Klee befand, konnte durch die Recherche nachgewiesen werden, dass das Bild später zurück an die Erben ging.

Die Crux besteht darin, dass der Kunsthandel eine Dokumentation des Schicksals der von ihnen gehandelten Ware zu häufig nicht für nötig hielt. (Hierzu auch Gottfried Leinz im neuen Bestandskatalog der Skulpturen vom Lehmbruck Museum Duisburg) Das dürfte die größte Schwierigkeit sein, an der sich heutige Provenienzforschung abarbeitet.

„100 x Paul Klee. Geschichte der Bilder“ läuft bis 10. Februar in K21 Ständehaus, Düsseldorf. Der Katalog, erschienen bei Nicolai, kostet 29 Euro. Eine Verlängerung der Ausstellung wird zurzeit erwogen.

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