Paul-Louis Weiller
Der letzte Höhenflug

Der Pilot und Air France-Gründer Paul-Louis Weiller konnte nicht nur fliegen. Er hatte auch einen erlesenen Geschmack. Jetzt machten die Enkel sein Erbe in einer spektakulären Auktion in Paris zu Geld.
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ParisIm Pariser Auktionshaus Drouot gab es seit der André Breton-Auktion im April 2003 keine so spektakuläre Auktionsserie wie die von letzter Woche, als die ehemalige Sammlung Paul-Louis Weiller unter den Hammer kam. Für die vom 5. bis 8. April ausgebotenen 725 Lose nahm der Versteigerer Henri Gros (Gros & Delettrez) 29 Millionen Euro ein. Zwei Enkel des kultivierten, mondänen Kommandanten Paul-Louis Weiller (1893-1993) hatten illuminierte Manuskripte, außergewöhnliche China-Objekte, Gemälde, Möbel und Silber aus Europas Adelshäusern ein geliefert. Bereits 1998 hatten die Weiller-Erben Stundenbücher und bibliophile Bücher im Wert von umgerechnet 3,4 Millionen Euro zur Versteigerung gegeben.

Paul-Louis Weiller gründete nach einer Pilotenkarriere im Ersten Weltkrieg die spätere Air France sowie den Flugzeughersteller SNECMA. Nach dem Zweiten Weltkrieg unterhielt er neben seiner Adresse in Genf mehrere luxuriös eingerichtete Palais.

Im Sammlerclub von Peggy Guggenheim

Die Objekte präsentierten sich auf dem ganzen ersten Stockwerk des Hôtel Drouot in perfekter Inszenierung. Fünf Kataloge im silbernen Schuber mit dem Pegasus-Ex Libris des „Kommandanten“ Weiller indizierten die internationale Bedeutung der Pariser Auktion. Außerdem bekam das Publikum einen für die Auktion gedrehten Film zu sehen, in dem die einliefernde Enkelin Tina Bernachon-Irissari ihren Großvater schilderte. Der verkehrte vorzugsweise mit gekrönten Häuptern oder Filmstars wie Charlie Chaplin oder Greta Garbo und zählte zum Sammlerklub von Peggy Guggenheim.

Das höchst dotierte Los der Sammlung Weiller sicherte sich ein Schweizer Bieter. 2,6 Millionen Euro bezahlte er für das kleine, mit 27 Miniaturen illuminierte „Stundenbuch der Königin Claude“ (1499-1525), Gattin von König François I.. Gemalt wurde es von Meister Claude de France um 1515. Für ein weiteres Stundenbuch, die „Stunden von Petau“, mit Miniaturen von Jean Poyet, schlug der „Rothschild-Bonus auf verheerende Weise zu“. So formulierte es ein Spezialist. Die Antiquare sind sich einig, dass das in Tours um 1510 entstandene Manuskript nur ein Drittel der bewilligten 2,3 Millionen Euro wert sei. Ähnlich überzogene Preise beobachtete man für die Wappen-Einbände mit königlicher Provenienz. Maroquinbände der Bibliotheken von Marie-Antoinette und der Zarin Katharina II. erzielten das Zehnfache des Handelsüblichen.

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