Paul Rosenberg
Privileg bei Picasso

Paul Rosenberg zählt zu den ganz großen Kunsthändlern, die die Moderne, allen voran Pablo Picasso, etabliert haben. Die Journalistin Anne Sinclair entdeckt ihren Großvater in einem sehr persönlichen Buch. Eine Empfehlung.
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KölnIn der französischen Ausgabe heißt Anne Sinclairs Buch einfach „21 Rue La Boétie“. Das ist die Pariser Adresse der Galerie ihres Großvaters mit den repräsentativen Räumen unweit der Rue Faubourg Saint-Honoré. Dass Pablo Picasso ins Nebenhaus einzog, war Paul Rosenbergs Initiative, der ihn 1918 unter Vertrag nahm. Als Galerist hatte er sich mit den Impressionisten einen Namen gemacht, mit den Bildern von Manet, Renoir, Pissarro, Cézanne, der jungen Berthe Morisot, Degas und Monet. Berühmt aber wurde Rosenberg  nach dem Ersten Weltkrieg als Händler von Picasso, Braque, Léger und Matisse. Rosenberg verkaufte Bilder aus dem 19. Jahrhundert - so Sinclair – „um solche aus dem 20. kaufen zu können und den Künstlern Geld zum Leben zu verschaffen, dass sie frei waren zu malen.“

Picasso brauchte Geld

Zur Annäherung zwischen Picasso und Paul kam es Anfang 1918. Picasso brauchte Geld und verkaufte Rosenberg einen Renoir. Er hatte sich stilistisch schon von den Kubisten entfernt, war auf dem Weg zum Neoklassizismus, schwärmte für Diaghilev und die Ballets Russes, hatte für die Truppe als Bühnenbildner gearbeitet und eine der Tänzerinnen, Olga Kochlova, geheiratet. Rosenberg kam im Sommer 1918 nach Biarritz, um mit Picasso einen Exklusiv-Vertrag zu schließen. Er wurde Vertreter des Künstlers in Frankreich und Europa, sein befreundeter Kollege Georges Wildenstein in Amerika, wo dieser bereits eine Galerie besaß. Doch Paul erhielt das Recht „auf  den ersten Blick“, das heißt, er konnte sich als Erster die Bilder aussuchen.

1919 zog Picasso mit Olga in das Pariser Nachbarhaus, Rue La Boétie 23, ihre Küchenfenster gingen auf denselben Hof hinaus und es war nicht ungewöhnlich, dass Picasso Paul ein noch unfertiges Bild durchs Fenster schob. Das Kapitel „Paul und Pic“ gehört zu den schönsten des Buches. „Mein lieber Pic“, beginnt Rosenberg seine Briefe an das Jahrhundertgenie, „Mein lieber Rosi“, antwortete Picasso.

Experimente in den USA

Rosenberg reiste schon früh nach Amerika und warb für seine Künstler. 1922 war er in New York und Chicago, 1923 organisierte er die erste Picasso-Ausstellung in New York, vermutlich in der Galerie Wildenstein. Der finanzielle Erfolg war gleich Null. „Wo man in Paris erdrückt worden wäre, sind hier wenige Besucher“, berichtet Paul seinem Künstler. 1934 bringt er seine „drei Großen, Braque, Matisse und Picasso“ nach New York. „Die Reaktion ist geteilt, alle bleiben lange, es quält sie, dass sie nichts verstehen.“

Alfred Barrs erste große Picasso-Retrospektive im Museum of Modern Art im Jahr 1939 schließlich, die Paul monatelang mit dem Direktor vorbereitet und für die er viele Bilder nach New York geschickt hatte, wurde zum Rettungsanker für die Rosenbergs. Die Deutschen marschierten in Paris ein und der Kunstraub in den großen jüdischen Galerien war nur noch eine Frage der Zeit.

Flucht vor den Nazis

Die Rosenbergs versteckten sich zuerst auf Schloss Floirac in der Nähe von Bordeaux, über Spanien und Portugal führte sie die Flucht nach Amerika, wo Alfred Barr sich für die Familie verbürgte. Zurückgeblieben in Frankreich waren laut Sinclair etwa 400 Bilder, die gestohlen wurden, 60 davon sind bis heute verschollen.

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Privileg bei Picasso

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Das Ende von "Pic" und "Rosi"

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