Paul Rusesabagina
Wie einst Oskar Schindler

Am 23. April 1994 hat ein Hotelmanager in Ruanda mehr als 1000 Menschen das Leben gerettet. Paul Rusesabagina ist sein Name. Nun hat er seine Erinnerungen aufgeschrieben. Sein Buch "Hotel Ruanda" kommt heute auf den deutschen Markt.

TROISDORF. Rusesabagina besteht darauf, dass er nur ordentlich seinen Job als Hoteldirektor gemacht hat. Er war zufällig bei Ausbruch des Völkermordes in Ruanda Direktor des Hotels "Diplomates" und wurde damit beauftragt, das zweite Hotel "Mille Collines" in Kigali zu übernehmen. So wie Oskar Schindler während des Zweiten Weltkriegs seine jüdischen Arbeiter brauchte, diese Juden als Menschen kennen lernte und rettete, so besteht auch Rusesabagina darauf, dass er nur zufällig zum Retter von 1 286 Menschen in dem Hotel "Mille Collines" wurde.

Beschämend war der Abzug der Blauhelme, die in Ruanda vor dem Völkermord stationiert waren. "Am 12. April erhielten die Uno-Soldaten den Befehl, dafür zu sorgen, dass die Ausländer sicher aus Ruanda hinausgelangten." Das Uno-Mandat lautete also nicht mehr, dem Morden Einhalt zu gebieten, sondern für eine geordnete Evakuierung aller Nicht-Ruander zu sorgen. Alle anderen blieben zurück. "Sogar ihre Hunde durften die Weißen mitnehmen."

Am 23. April 1994 sind zwei Wochen vergangen, da kommt der Direktor mit seiner eigenen Telefonlinie durch zum Weißen Haus in Washington, erwischt jemanden, der ihm den Spruch der Moderne sagt: Er sei nicht zuständig. Paul Rusesabagina will nur ansagen, dass er ein Fax geschickt hat. "Verstehe", sagt die Stimme der Weltregierung in Washington. "Sie rufen aus Ruanda an. Ich habe es einem Kollegen gegeben, der wird wieder auf Sie zukommen!"

"Dann haben Sie es also noch nicht gelesen?" sagt der unter Todesgefahr telefonierende Rusesabagina: "Man hat mir gesagt, Sie seien für diese Angelegenheit zuständig?"

"Nein. Haben Sie sich schon mit der Botschaft der USA in Ruanda in Verbindung gesetzt?"

"Die Mitarbeiter der Botschaft haben das Land am 7. April verlassen." Am selben Tag kommt jemand, der die Insassen des Hotels zu massakrieren befiehlt. In einer halben Stunde sollen alle herauskommen. Paul sieht, dass das Hotel mit den blutgierigen Trägern von Macheten umstellt ist. Er besticht den Mann mit Wein. Er versucht, jemanden aus der Generalität zu bekommen. Dann kommt tatsächlich ein Oberst im Auftrag des Polizeichefs General Ndindiliyimana. Und der hebt den Befehl auf. Paul wird sich erst in dieser Situation des Ausnahmezustands bewusst, dass er als Hutu in einer Mischehe lebt, mit der Tutsifrau Tatjana. Der 23. April 1994 geht vorbei, es sind 1 268 Menschen, die ihr Leben dem Schutz des internationalen Hotels verdanken. Aber Wasser und Strom gehen aus. Paul Rusesabagina kalkuliert. Ohne Wasser wäre das Hotel damals schon erledigt gewesen. Der Pool, an dem die Staatschefs der westlichen Welt gesessen hatten, ist jetzt wichtig. 350 000 Liter sind im Pool. Wenn er das Wasser auf täglich sechseinhalb Liter pro Hotelgast rationiert, können die Menschen zwei Monate aushalten.

Das Buch von Paul Rusesabagina zu lesen, jagt uns Schauer über den Rücken. Was alles ist versäumt worden in Ruanda, nur weil es Afrika war? Aber "Hotel Ruanda" ist auch ein tröstliches Buch, weil es uns sagt: Es gibt in allen Menschen immer noch ein letztes Kämmerchen, in dem sie Scham haben oder ein schlechtes Gewissen.

Rupert Neudeck ist Gründer des "Komitees Cap Anamur/Deutsche Notärzte e.V." Er ist heute Vorsitzender der Hilfsorganisation "Grünhelme e.V."

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