Paulo Coelho
„Warum ich nicht zur Frankfurter Buchmesse fahre“

Der brasilianische Erfolgsautor Coelho kommt nicht zur Frankfurter Buchmesse, obwohl Brasilien Gastland ist. Der Grund: Er ist stocksauer über die von der Regierung vorgenommene Autoren-Auswahl.
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Rio de JaneiroDie Frankfurter Buchmesse hat dieses Jahr zwar Brasilien als Gastland, muss aber ohne dessen Bestseller-Autor Paulo Coelho auskommen. Der 66-Jährige wird nächste Woche nicht nach Frankfurt kommen und begründete das mit der von Brasiliens Kulturministerium vorgenommenen Auswahl der nach Deutschland eingeladenen Autoren.

„Von den 70 eingeladenen Schriftstellern kenne ich nur 20, von den anderen 50 habe ich noch nie etwas gehört. Ich nehme an, das sind Freunde von Freunden von Freunden. Vetternwirtschaft“, sagte er im Interview mit Martin Scholz von der „Welt am Sonntag“, das Coelho am Freitag via Twitter unter dem Titel „Warum ich nicht zur Frankfurter Messe fahre“ in seinen Blog stellte. Das Interview werde am Sonntag veröffentlicht.

Er habe Zweifel, dass dies alles professionelle Schriftsteller seien. „Was mich am meisten stört: Es existiert eine neue und aufregende Literatur-Szene in Brasilien. Aber die Mehrheit dieser jungen Autoren findet sich nicht auf der Liste.“ Coelho betonte ausdrücklich seine „hohe Wertschätzung“ für die Messe in Frankfurt.

Es verbinde ihn viel mit der Messe, vor allem mit deren Direktor Juergen Boos, der nicht nur den Transformationsprozess von Print zu Digital anerkenne, sondern der auch verschiedene Foren zu dem Thema initiiere. Messen des gleichen Formats wie etwa in Genf oder Paris verschlechterten sich, weil sie an alten Konzepten festhielten.

„Ich gehe nicht nach Frankfurt, trotz der hohen Wertschätzung, die ich für diese Messe habe. Aber ich heiße die Art, wie die brasilianische Literatur repräsentiert wird, nicht gut“, betonte Coelho („Veronika beschließt zu sterben“, „Der Alchimist“), der seit Jahren in Genf lebt.

Er habe öffentlich mit vielen Autorenkollegen wie Eduardo Spohr, Carolina Munhóz, Thalita Rebouças, André Vianco, Felipe Neto und Raphael Draccon gesprochen. „Ich habe das Maximum versucht, sie zu der Messe zu bringen - ohne Erfolg. Also, aus Protest, habe ich entschieden, nicht nach Frankfurt zu gehen, was aus verschiedenen Gründen eine schwierige Entscheidung war.“

Die Buchmesse wird am Dienstag (8.10) eröffnet. Mit 7100 Ausstellern aus 100 Ländern ist die Zahl der Aussteller in diesem Jahr etwas kleiner als im Vorjahr. 250 000 bis 300 000 Besucher werden an den fünf Messe-Tagen (9. bis 13. Oktober) erwartet. Sie haben die Wahl zwischen 3100 Veranstaltungen. Insgesamt werden 1500 Autoren nach Angaben der Organisatoren zur Messe kommen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Paulo Coelho: „Warum ich nicht zur Frankfurter Buchmesse fahre“"

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  • Es gibt wohl kaum eine Branche, in der so ein hohes Maß an Arroganz und Ignoranz herrscht wie in der Verlagsbranche (Bücher und Zeitschriften). Ausnahme: das öffentlich-rechtliche Fernsehen und wie es sich ständig selbst feiert (und wie man seit dieser Woche nun weiß, völlig überfinanziert ist...).

    Und ob Groß- oder Klein-Verlag, hier findet man alle Varianten von Fehl- und Miss-Management, die man sich lehrbuchhaft vorstellen kann: Mitarbeiter-Führung nach Gutsherren-Art, komplett fehlendes unternehmerisches Denken und Vermögen, durch und durch bürokratische Arbeits-Moral, und nicht zuletzt in vielen Verlagen durch eine verfehlte und einseitige Personalpolitik Frauen in Führungspositionen, denen jegliche Qualifikation abgeht. Ich würde sogar behaupten, dass vor allem der hohe Frauenanteil in den Führungsetagen verantwortlich ist für den Niedergang der Verlagsbranche (elitär-dünkelhaftes Denken und Handeln, keine unternehmerisches Denken, fehlende Führungskompetenz, mangelhafte berufs- und branchenspezifische Qualifikationen usw.).

    Nun bekommt die Branche also völlig zu recht die Rechnung präsentiert für ein Maß an Inkompetenz in den Führungsetagen, wie man es in keiner anderen Branche findet. Denn die Musik spielt schon lang woanders und die Verlagsbranche schrumpft und stirbt aus. Nirgendwo hat man über Jahre hinweg Entwicklungen verschlafen wie im Verlagswesen - ohne Ausnahme! Trotz absehbarer Entwicklungen (Internet, neue Medien, neue elektronische Formate, geändertes Lese- und Zielgruppen-Verhalten, geänderte Vertriebswege usw.) hat man es mehrheitlich vorgezogen, sich dünkelhaft und eingebildet diesen Entwicklungen teils verächtlich zu verschließen...

    Die Frankfurter und die Leipziger Buchmesse sind Zirkus-Veranstaltungen und die Verlagsbranche, die sich mehrheitlich zum "deutschen Kulturgut" zählt, gehört in den Leipziger und Frankfurter Zoo (und nicht aufs Messe-Gelände)...

  • "ein Unbekannter"? Ein Tipp: der Trend geht zum Zweitbuch!

  • Sie sind wohl auch einer der Deutschen, die fuer ihre drei Buecher ein repraesentatives Buecherbord im Wohnzimmer haengen haben, sonst wuerden Sie einen solchen Schmarrn nicht schreiben!
    Unbekannt, fuer Sie vielleicht, ist bei oben Geschildertem aber kein Wunder!

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