Peter Doig
Ärger um eine Schenkung

Bei Christie's wurde ein Bild versteigert, das eigentlich einem US-Museum versprochen war. Jetzt soll der Sammler für gleichwertigen Ersatz sorgen.
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New YorkPeter Doigs „Red Boat (Imaginary Boys) Silver Beatles“ (2003/4), eine Landschaft in den intensiven, sich beißenden Farben von Doigs Wahlheimat Trinidad, brachte am 28. Juni bei Christie’s in London 6,2 Millionen Pfund oder umgerechnet 9,8 Mio. Dollar inkl. Aufgeld ein. Die Schätzung lag bei 1,4 bis 1,8 Millionen. Rege Bietaktivität, an der sich auch Jay Jopling von White Cube Gallery und Acquavella Galleries beteiligten, brachten einen sehr starken Preis, der jedoch Doigs Auktionsrekord vom September 2007 (11,3 Millionen Dollar) nicht aushebeln konnte. Business as usual, so scheint es.

Das Bild hätte nicht auf den Markt kommen dürfen

Dabei hätte das Bild gar nicht auf den Markt kommen dürfen, eigentlich sollte es heute sicher in einem öffentlichen Museum hängen. Deshalb erwirkte Doigs langjährige Galerievertretung, die New Yorker Michael Werner Gallery, im Namen des Künstlers im Eilverfahren eine einstweilige Verfügung gegen den Verkauf. Die Galerie hatte das Bild im Jahr 2004 nämlich an den Pittsburgher Sammler James H. Rich mit der ausdrücklichen Vereinbarung vermittelt, dass Rich das Bild dem Carnegie Museum of Art stiften werde. Dort gehört er dem Museumsvorstand an.

Wer stiftet, erhält häufig Sonderkonditionen

Bei der Zuteilung von Werken gesuchter Künstler herrscht ein bitterer Verteilungskampf in Galerien. Käufer, die eine Stiftung an Museen zusagen, sind da gerne gesehen. Das machte sich Rich zunutze und erhielt nicht nur bevorzugten Zugang, sondern auch, wie oft üblich, finanzielle Sonderkonditionen. Das Bild kostete ihn sehr günstige 162.000 Dollar. Zwar war die Einhaltung dieser Vereinbarung zwischen Galerie und Sammler bislang Ehrensache, aber nachdem die Galerie Werner Anfang Juni von Christie’s in einer E-mail von der Versteigerung unterrichtete wurde, klagte die Galerie auf Unterlassung. Das Bild solle wie vereinbart dem Museum übereignet werden.

Steuervorteil für 10-prozentige Vorausschenkung

Dabei hatte sich zunächst alles gut angelassen. Im Dezember 2005 schenkte Rich dem Museum schon einmal 10 Prozent des Bildes nach Wert. Dabei machte er sich das beliebte US-Steuersparmodell des „fractional gift“ (gestückelte Schenkung) zunutze, das die schrittweise Stiftung eines Kunstwerks ermöglicht. Sammler und Museum teilten sich anteilig in den physischen Besitz des Werkes. Das heißt, der Sammler konnte das Werk auch noch eine Weile zu Hause an der Wand genießen.

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