Peter Pranges „Werte“
Der Mensch aus These und Gegenthese

"Dialektik" scheint für Peter Prange des Pudels Kern zu sein, wenn es um die Frage geht, was die Alte Welt im Innersten zusammenhält. Europäer denken in Gegensätzen, zu jeder These haben sie gleich eine Gegenthese bei der Hand.

HB MÜNCHEN. In seinem umfangreichen Band "Werte. Von Plato bis Pop: Alles was uns verbindet" geht der in Tübingen lebende Autor den angenommenen gemeinsamen Idealen nach, die Europa durch die Geschichte hindurch einen und charakterisieren. Dabei stellt Prange 20 Gegensatzpaare zusammen - denn für ihn macht es europäisches Denken aus, für eine These zugleich eine Gegenthese zur Hand zu haben. Selbstverwirklichung gesellt sich so zu Solidarität, Toleranz zu Prinzipientreue, Bewahrung zu Erneuerung. Pranges Buch darf als Beitrag zur immer intensiver geführten Identitäts-Diskussion in Zeiten von Globalisierung und islamistischer Bedrohung verstanden werden.

Zu den von ihm herausgearbeiteten Aspekten lässt der Verfasser wegweisende, dabei sehr unterschiedliche Dichter und Denker mit entsprechenden Textstellen zu Wort kommen. So lesen wir unter "Leben und Sinn" etwa Viktor E. Frankls "Der Wille zum Sinn" und Albert Camus' "Der Mythos des Sisyphos", unter "Eros und Agape" Sapphos "Liebesgedichte" und Janusz Korczaks "Wie man ein Kind lieben soll", unter "Idealismus und Realismus" Charles Dickens' "Eine Weihnachtsgeschichte" und Charles Baudelaires "Albatros". Diese Höhepunkte europäischen Geistes leitet Prange (51), ein promovierter Philosoph, quasi stellvertretend für den Normalbürger jeweils mit eigenen, locker-flockig formulierten Alltagserfahrungen und Gedanken ein.

"Werte", entstanden in Zusammenarbeit mit Frank Baasner (Direktor des Deutsch-Französischen Instituts Ludwigsburg) und Johannes Thiele ("Buch der Deutschen", 2004), birgt einen extrem hohen Anspruch - den es so auch nicht einlöst. Denn zum einen sind Begriffe wie "Natur" oder "Mensch" keine eigentlichen "Werte" im geistigen Sinn. Und zum anderen werden die aufgeführten Phänomene weder in ihrer historischen Entwicklung noch im Vergleich zu außereuropäischen Kulturen verhandelt. Dennoch bietet das Hand- und Lesebuch Pranges, der zuvor erfolgreich Sachbücher wie "Sieben Wege zum Misserfolg" (2000) und "Träume wagen" (2001) sowie historische Romane wie "Das Bernstein- Amulett" (1999) und eine "Weltenbauer-Trilogie" (2002-2005) vorgelegt hat, sinnvolle Anregung: zum Schmökern, zum Nachdenken - und vielleicht sogar zum weiteren Lesen in den zitierten Originalwerken.

Peter Prange
Werte. Von Plato bis Pop. Alles, was uns verbindet.
Droemer Verlag, München
752 Seiten, 25,80 Euro

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