Peterzano-Nachlass
"Caravaggio-Experten" müssen vor Gericht

Maurizio Bernardelli Curuz und Adriana Conconi Fedrigolli begeisterten im Juli die Medien und verärgerten die Kenner. Die selbsternannten Experten behaupteten Jugendzeichnungen des Barockmalers Caravaggio gefunden zu haben. Nicht wissenschaftliche Erkenntnis trieb sie an, sondern ein ausgeprägter Geschäftssinn.
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RomStill ist es geworden um den sensationellen Fund von 100 Caravaggio-Zeichnungen. Zumindest in den Medien, die doch am 6. Juli 2012 von der Entdeckung des Jahrhunderts sprachen. Den Stein ins Rollen hatte ein Presseschreiben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA gebracht. Die Coup-Verantwortlichen hatten die Medieninformation, wie sich  später herausstellte,  gleich mitgeliefert. Immerhin versah die eine oder andere Zeitung die Meldung mit einem Konjunktiv – „wenn dem so wäre“. Nur war es eben nicht so. Das steht allerdings nicht mehr in den Schlagzeilen. Dafür dürfte es bald das Gericht interessieren.

Denn die beiden selbsternannten Caravaggio -Experten, Maurizio Bernardelli Curuz und Adriana Conconi Fedrigolli, könnten für den alles andere als uneigennützigen Umgang mit ihrer bahnbrechenden, die Kunstgeschichte neu schreibenden Entdeckung  rechtlich belangt werden. Wie sie selbst beteuerten, wollten sie möglichst rasch die ganze Welt an dem frohen Ereignis teilhaben lassen. Deshalb wandten sie sich an die Nachrichtenagentur, statt etwa – wie in solchen Fällen üblich – an die Fachwelt, etwa um eventuelle Einwände zu erörtern. Doch genau diese wollte das Duo auch nicht hören, wären sie doch Sand im Getriebe ihrer Marketing-Maschine gewesen. 

Geld für Humbug

Und die Vermarktung ihrer vermeintlich wissenschaftlichen Arbeit hat das geschäftstüchtigen Duo recht gut besorgt: Ein Photoshop-Mischmasch aus Gemälden und Zeichnungen, hübsch verpackt im E-Book, gleich zweibändig, für 13,82  Euro das Stück. Ein stolzer Preis, vor allem, wenn man bedenkt, dass Curuz und Fedrigolli das Material, das sie da so selbstlos an den Mann bringen, gar nicht ihr eigen nennen können. Zumindest nicht, was das Bildmaterial – eben die besagten Zeichnungen -  angeht, ohne die jedoch ihre aus der Luft gegriffene Zuschreibung, die die Caravaggio-Expertin Sybille Ebert-Schifferer als „Riesenhumbug“ bezeichnet, keine Pfennig wert wäre.

Die Zeichnungen gehören der Stadt Mailand, sie stammen aus dem Nachlass von  Simone Peterzano, bei dem Caravaggio von 1584 bis 1588 in die Lehre ging. Der Nachlass umfasst 1.378  Zeichnungen. Blätter, die von renommierten Kunsthistorikern,  darunter dem Graphik-Experten Professor Giulio Bora,  Blatt für Blatt durchforstet worden waren. Caravaggio gilt in der Forschung als der Maler, die nie zeichnete. Bora hoffte wenigstes eine Zeichnung zu finden. Vergebens!

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