Petrit Halilaj
Mit dem Herzen in Pristina

Petrit Halilaj gehört zu den Senkrechtstartern des zeitgenössischen Kunstbetriebs. Zurzeit ist er an zwei Orten gleichzeitig im Rheinland präsent. In Bonn rekonstruiert der aus dem Kosovo stammende Künstler die Sammlung des ehemaligen Naturhistorischen Museums von Pristina. In Köln begibt er sich auf Spurensuche in seiner alten Schule.
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Bonn/KölnDer Kunstbetrieb liebt Künstler, die biografisch arbeiten. Auf Biennalen haben ihre Werke deshalb einen festen Platz. Gerade dort werden nämlich gern Fragen nach Identität im Angesicht der Globalisierung verhandelt. Vielleicht liebt man sie aber auch, weil solche Positionen von vornherein das Versprechen machen, emotional zu berühren, und nicht nur intellektuell zu fordern.

Petrit Halilaj, geboren 1986 im kosovarischen Kostërrc, kann in seiner jungen Laufbahn bereits prominente Ausstellungsstationen vorweisen: Er nahm 2010 an der 6. Berlin Biennale teil, hinterließ 2011 in der Sektion „Statements“ auf der Art Basel bleibenden Eindruck und bespielte 2013 den ersten Pavillon der Republik Kosovo auf der Biennale von Venedig. Ein Senkrechtstarter.

Flüchtling aus dem Kosovo

Der Künstler geht für sein Werk auf persönliche und geschichtliche Spurensuche in seinem Heimatland, das politische Umwälzungen geprägt haben. Als Teenager floh Halilaj während des Kosovokrieges (1998/99) mit seiner Familie nach Italien. Nach dem Studium in Mailand lebt er heute zeitweise in Berlin.

Die Bonner Bundeskunsthalle und der Kölnische Kunstverein präsentieren in Kooperation aktuell zwei raumfüllende Installationen. In Bonn rekonstruiert Halilaj die Sammlung des ehemaligen Naturkundemuseums von Pristina, wo die Exponate der Ethnologischen Schausammlung weichen mussten. Ein Film in der Ausstellung zeigt, wie Halilaj mit den Museumsarbeitern in Pristina die präparierten Vögel, Wildschweine und Schlangen in Holzkisten und Schrankvitrinen aufspürt. Die meisten Exponate wurden durch die achtlose Lagerung stark beschädigt. Aus Erde, Stroh und Tierkot hat Halilaj diese Tiere nachgeformt und liebevoll im Ausstellungsraum in Beziehung gesetzt.

Den simplen Materialien setzt er kostbar wirkendes Messing entgegen: Die Fische hängen an Stäben von der Decke, vier Eulen sitzen auf einer Stangentreppe, manche Tiere spielen mit  ihrem Spiegelbild. Dazwischen stehen die ramponierten originalen Vitrinen aus dem Kosovo. Ein verlorengegangenes Kulturerbe seiner Heimat, das Halilaj re-inszeniert, um es wenigstens künstlerisch zu bewahren.

Herzen mit Gesichtern

Auch im Kölnischen Kunstverein dient ein Film als Ausgangspunkt. Darin besucht Halilaj mit jungen Schülern seine ehemalige Schule am Tag bevor sie abgerissen wird. Die Kinder laufen durch die Flure und Klassenzimmer, reißen aufgebracht Bilder von der Wand und zerschmeißen die Fensterscheiben. Einige Schulbänke hat Halilaj im Untergeschoss des Kunstvereins aufgereiht oder wie zur Entsorgung bereit übereinander gestapelt.

Die Kritzeleien und Schriftzüge, die der Künstler auf den Tischen entdeckte, ließ er mit schmalen Stangen aus Stahl nachbilden und verteilte sie auf der gesamten Ausstellungsfläche. Tiere sind zu sehen, eine riesige Rose liegt auf der Treppe; Gewehre, Herzen mit Gesichtern und Liebesbekundungen liegen als fein gearbeitete Skulpturen auf dem Boden oder hängen wie Mobiles von der Decke. Eine phantasievolle Übersetzung der Kindheitserinnerung. Im Obergeschoss wurde der Raum mit Seiten des Schulbuchs „Abetare“ tapeziert. Damit lernen die Schüler im Kosovo das Alphabet.

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Mit dem Herzen in Pristina

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Kanarienvogel aus Pristina

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