Philippe Vergne am MOCA: "Es ist die perfekte Ehe"

Philippe Vergne am MOCA
"Es ist die perfekte Ehe"

Der Direktorenposten am Museum für zeitgenössische Kunst in Los Angeles ist nicht mehr vakant. Vier Monate nach dem Rücktritt von Jeffrey Deitch hat nun Philippe Vergne die Leitung des MOCA übernommen.
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New YorkSeit einigen Jahren machte das Museum of Contemporary Art (MOCA) in Los Angeles vor allem durch Unterfinanzierung und den ungeliebten Direktor Jeffrey Deitch von sich Reden. Aber die Berufung von Philippe Vergne auf den Direktorenposten stimmt vorsichtig optimistisch. Deitch trat am 1. September 2013, nach nur drei Jahren im Amt, zurück. Der französischstämmige Vergne, 47, leitete seit 2008 die New Yorker Dia Art Foundation. Sein Vorgänger Michael Govan war ebenfalls nach Los Angeles, und zwar ans größere County Museum of Art (LACMA) berufen worden.

Verbesserte Finanzen

Vergne trifft dabei auf bessere finanzielle Verhältnisse als Deitch. In einem Kraftakt stockte das 1979 von Künstlern gegründete MOCA im letzten Jahr sein Stiftungsvermögen auf 100 Millionen Dollar auf. Dazu half ein auf 43 spendable Mitglieder erweiterter Vorstand, dem nun auch Laurence Graff, Peter M. Brant und Steven A. Cohen angehören. Anders als Deitch kann Vergne vor allem das wichtige Votum der örtlichen Künstler auf sich vereinen. „Ich bin 100 Prozent begeistert über Philippe Vergne als neuen Direktor. Es ist die perfekte Ehe“, so Künstler John Baldessari.

Pläne und Stillstand

Vergne hatte es auch in New York nicht einfach. Seitdem die 1974 gegründete Dia Art Foundation im Jahr 2004 ihre Niederlassung im Galeriendistrikt Chelsea aufgab und verkaufte, blieb sie vor allem durch Künstlerlesungen und Vorträge präsent. Ausstellungen verlagerte sie in den etwa 100 Kilometer entfernt gelegenen Komplex Dia:Beacon im Städtchen Beacon am Hudson, der 2003 eröffnet wurde. Im Mai 2012 machte das Museum aber Pläne für ein neues Domizil, Dia:Chelsea, bekannt. Geplante etwa 2000 Quadratmeter sollen nur den experimentellsten Künstlern für Langzeitprojekte, Auftragsarbeiten und Performances zur Verfügung stehen. Aber seitdem hat sich nicht viel getan.

Dia schweigt sich auch über die Finanzen aus. Vergne wurde zuletzt im November angegriffen, als er etwa 30 Objekte, darunter 14 Werke Cy Twomblys, zugunsten eines Anschaffungsfonds versteigern ließ. Über Sotheby‘s brachten sie 38,4 Millionen Dollar, fast das Doppelte der Erwartung, ein.

Zurück in den Handel

Mit über 6.800 Objekten besitzt das MOCA eine der wichtigsten zeitgenössischen Sammlungen. „Ich habe MOCAs Sammlung und Programm stets bewundert und ich freue mich sehr über die Gelegenheit, diese großartige Institution in die nächste Phase zu leiten. Von Michael Heizer bis Mike Kelley, MOCA hat meine Sichtweise auf Kunst geprägt“, sagt Vergne.

Sein Vorgänger Jeffrey Deitch wiederum kehrte zurück nach New York und ist auf der Suche nach großen Ausstellungsräumen.Der ehemalige einflussreiche Galerist und Kurator arbeitet daneben in zwei Buchprojekten sein halbes Jahrhundert in der Kunstwelt auf.

Annika Reinert
Barbara Kutscher
Handelsblatt New York / U.S. Correspondent Arts and Art Market

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