Pierre Le Guennec
Die 271 Picassos aus der Garage

Der Elektriker Pierre Le Guennec will Papierarbeiten von Picasso geschenkt bekommen haben. Ihr Wert wird auf bis zu 80 Mio. Euro geschätzt. Polizei, Gerichte, Medien und Anwälte versuchen zu ergründen, ob Guennec die Zeichnungen rechtmäßig besitzt - und natürlich, ob sie echt sind.
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PARIS. Eine plötzlich abgesagte Auktion bringt etwas Licht ins Dunkel der Herkunftsgeschichte von 271 mysteriösen Papierarbeiten des Weltklassekünstlers Pablo Picasso (1881 - 1973). Seit drei Wochen versuchen Polizei, Gerichte, Medien und Anwälte in Paris zu ergründen, warum der ehemalige Elektriker Pierre Le Guennec aus der südfranzösischen Kleinstadt Mouans-Sartoux massenhaft Picasso-Zeichnungen besitzt, ob er sie rechtmäßig besitzt, warum er erst jetzt Kontakt aufnahm mit der "Picasso Administration" - und natürlich ob die Blätter echt sind. Pierre Le Guennec behauptet, die Blätter geschenkt bekommen zu haben, als er 1970 bis 1973 Elektroarbeiten im Hause Picasso vornahm.

Le Guennec ist mit dem Chauffeur von Picasso verwandt

Le Guennec ist einer von sechs Neffen des Chauffeurs von Pablo Picasso. Maurice Bressenu hatte Picasso von 1967 bis 1973 chauffiert. Nach dem Tod von Maurice Bressenu und seiner Witwe Jacqueline erbten die Neffen die eigenhändigen Werke von Picasso. Zeichnungen, illustrierte Bücher, Keramik, Graphik, zwei bemalte Keramik-Kacheln, dazu eine afrikanische Baoulé-Skulptur sowie Fotos von Picasso ergaben 143 Nummern für eine Auktion.

Diese war für den 9. Dezember im Hôtel Drouot angesetzt, wurde aber kurzfristig abgesagt. Sie wäre verschoben, schrieb die Wochenzeitung der Pariser Versteigerer, die"Gazette de l?Hôtel Drouot". Die Notare der Erben hätten in einem Schnellgerichtsverfahren die Verschiebung der Auktion erreicht, hieß es lakonisch. "Wir wollten etwas Ruhe in die aktuelle Aufregung um die Picasso- Werke kommen lassen, kommentiert schmallippig eine Vertreterin des Auktionshauses Blanchet & Associés, das die Versteigerung plante und mit Hilfe von mehreren Experten den Katalog zusammenstellte. Der Auktionator Pierre Blanchet lässt sich nicht sprechen.

Unerreichbar ist auch Claude Picasso, der Leiter der "Picasso Administration", die sämtliche Rechte der sechs steinreichen Picasso-Erben und des Nachlasses (der sich auf ca. 1,4 Milliarden Euro belief) verwaltet. Der 63-jährige Claude Picasso war nur für die französische Presse verfügbar. Der ist zu entnehmen, dass er als Einziger befugt sei, Echtheits-Gutachten zu Picasso-Werken zu erstellen und zu unterzeichnen.

Diese lancierte Behauptung ist vermutlich einer der Gründe für die Verschiebung der Auktion. Denn Maya Widmaier-Picasso, die 1935 geborene Tochter von Pablo Picasso und Marie-Thérèse Walter, erstellte mehrere Gutachten und half bei der Redaktion des Blanchet-Auktionskatalogs. "Maya, die erste Tochter Picassos, ist durchaus berechtigt, Gutachten zu erstellen", meint ein Mitarbeiter des Auktionshauses Blanchet & Associés.

Außergewöhnlich sind die Schätzpreise im Blanchet-Katalog. Sie liegen weit unter dem Marktwert, gelegentlich betragen sie sogar nur ein Zwanzigstel. So lag die Taxe für das Buch "Diurnes" mit "Découpages/Papier-Ausschnitten" von Picasso, Texten von Jacques Prevert und Fotomontagen von André Villers bei 1 500 bis 2 000 Euro. Im Handel wird es jedoch zu Preisen bis zu 30 000 Euro angeboten. Auch die beiden Kinderporträts von 1956 auf Keramik-Kacheln waren auf 30 000 bis 50 000 Euro für "Paul im Torreador-Anzug" und 20 000 bis 40 000 Euro für "Paloma mit der Puppe" moderat geschätzt. Handelt es sich hier wirklich um Paulo, den 1921 erstgeborenen Sohn Picassos? Im Hinblick auf die Datierung und die gemeinsame Mutter von Paloma und Claude, Françoise Gilot, könnte es sich bei dem Knabenporträt um Claude handeln.

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