Pinault-Sammlung
Liebesbekenntnis eines Sammlers

François Pinault gehört zu den wichtigsten Sammlern zeitgenössischer Kunst. Mit Werken aus seiner Kollektion bringt das Grimaldi Forum in Monte Carlo unter dem Motto „ArtLovers“ Kunst in das Urlaubsparadies.
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ParisEine Ausstellung mit Gegenwartskunst im Fürstentum Monaco muss mit bekannten Namen locken. Allein der des Sammlers in der aktuellen Sommer-Schau „ArtLovers, Kunst-Geschichte(n) in der Sammlung Pinault“ im Grimaldi Forum www.grimaldiforum.com am Strand von Monte Carlo dürfte hier einen gewissen Magnetismus entwickeln. François Pinault, Luxusgüter-Unternehmer mit Firmen wie Gucci oder Louis Vuitton im Portfolio und Eigentümer des weltweit führenden Auktionshauses Christie's, gehört heute zu den bedeutendsten Sammlern zeitgenössischer Kunst.

Der Titel der ArtLover-Schau mit Werken von Jeff Koons bis Hiroshi Sugomoti lässt verschiedene Deutungsmöglichkeiten zu. Als die ersten Kunst-Liebhaber kommen die Künstler selbst infrage. Sie haben sich liebevoll, ironisch, imitierend oder verzerrend mit anderen Malern und Bildhauern und ihren Werken quer durch die Kunstgeschichte auseinandergesetzt.

Das Publikum ist der Mega-Sammler

Als eine andere Spezies von Kunst-Liebhabern sind auch die Besucher dieser anspruchsvollen Schau gemeint. Denn diese setzt eine gewisse Affinität voraus und fordert eine genaue Auseinandersetzung mit jedem der mehr als vierzig Werke voraus. Als Vermittler zwischen den Künstlern, ihren Werken und dem Publikum fungiert schließlich der Megasammler und Multimilliardär François Pinault, der Donnerstag dieser Woche 78 Jahre alt wird. Mehr als die Hälfte seines Lebens hat er gezielt Kunst gekauft.

Seit 2010 wird er treu, einfühlsam, sachkundig und pädagogisch klug unterstützt von Martin Bethenod, dem Direktor der „Collection Pinault“ im Palazzo Grassi-Punta della Dogana in Venedig. Bethenod kuratierte auch die Schau in Monaco.

Als Einstieg in die monegassische Schau wählte Bethenod Jeff Koons rosa schillerndes Metallherz mit goldener Schleife. Wie ein Spiegel, in dem sich die Besucher reflektiert sehen, funktioniert das „Hanging Heart (red/gold)“ der amerikanischen Neo-Pop-Ikone.

Im ersten Saal, einem riesigen White Cube mit vielen weißen Skulpturen, hängt das kleinste Werk, die schwarz-weiße Fotomontage von Giulio Paolini, „Invenzione di Ingres“ von 1968. Laut Kurator Bethenod das Schlüsselerlebnis der gesamten Schau: Paoloni reproduzierte das 1504 gemalte Selbstbildnis von Raphael, das Jean Auguste Dominique Ingres 1820 anlässlich seines Florenz-Aufenthaltes nachmalte. Paolinis Bild-Überlappung ergibt eine verunsichernde Unschärfe, ein Schwindelgefühl.

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