Plattenbau-Prinzessin

Cindy aus Mahrzahn am Broadway

Aus Cindy aus Marzahn wird „Cindy out Marzahn“: Auf „Denglisch“ witzelt die Plattenbau-Prinzessin am New Yorker Broadway über sich selbst und die Zuschauer - und lästert über die Amerikaner.
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Cindy aus Marzahn versucht ihr Glück nun in New York. Quelle: dpa

Cindy aus Marzahn versucht ihr Glück nun in New York.

(Foto: dpa)

New YorkBesonders schick gemacht hat sich Cindy aus Marzahn für ihren großen Abend nicht. Wie gewohnt trägt die Komikerin rosafarbenen Schlabber-Jogginganzug, Turnschuhe und grellpinken Lidschatten und Lippenstift im Gesicht. Aber neben der ebenfalls pinkfarbenen Blume thront in ihrem Haar dann doch dem Anlass entsprechend die Krone der Freiheitsstatue aus Schaumstoff. Die Plattenbau-Prinzessin aus Berlin hat es an den renommierten Broadway in New York geschafft. Cindy aus Marzahn ist, so steht es auf einem Plakat, zu „Cindy out Marzahn“ geworden.

Berühmte Comedians wie Jay Leno und Billy Crystal hätten schon auf der Bühne des Stand-up-Club Carolines gestanden, verkündet ein Sprecher am Dienstagabend betont bedeutungsschwer durch die Lautsprecher. „Sie ist den ganzen Weg aus Deutschland hier her gekommen, bitte heißen Sie jetzt die wunderschöne Prinzessin des Plattenbaus willkommen: Cindy out Marzahn.“ Auf Englisch klingt das allerdings eher wie „Cindy out Mahrsahn“. Die rund 200 Zuschauer in dem Kellerclub nahe dem Times Square klatschen und jubeln, als sich Cindy daraufhin in ihrer ganzen prallen pinken Erscheinung durch die Tische und Stühle auf die Bühne zwängt. Einige Frauen in den ersten Reihen haben pinkfarbene Plastik-Diademe in den Haaren. „Auf Cindy“ wird an den Tischen geprostet. „Sänk ju, sänk ju, sänk ju.“

So viel kostet ein toter Ork
"Der Hobbit: Eine unerwartete Reise"
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Eigentlich sind Hobbits gemütliche und friedfertige Wesen. Dennoch kommt es zu mancher Auseinandersetzung. Es grenzt also an böswillige Ruhestörung, dass Starregisseur Peter Jackson den wenig reisefreudigen Bilbo Beutlin in ein neues Abenteuer schickt. Im aktuellen zweiten Teil der „Hobbit“-Filmtrilogie muss er gegen den bösen Drachen Smaug kämpfen. Dabei werden Orks oder der Drache Smaug verletzt und Bards Haus zerstört. Die Kosten für die Schäden belaufen auf einen millionenhohen Betrag. Schon in Teil 1, „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“, errechneten die Allianz Deutschland Schadenregulierer Nils Möckelmann und Andreas Hufgard verheerende Schäden in Höhe von 326.188.250 Euro. Für das Allianz Kundenmagazin „1890“ haben sie sich auch den zweiten Part mit gezücktem Taschenrechner angesehen. Ihr Urteil: Geringere, aber immer noch gravierende Verwüstungen. Sind die Helden und die Bösewichter vorsichtiger geworden?

Kinostarts - "Der Hobbit: Smaugs Einöde"
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Tötung von zehn Riesenspinnen

Thranduil, der König der Waldelben, der das Jagdrecht im Düsterwald innehat, schickt extra seine Mitarbeiter aus, um den Bestand der Riesenspinnen einzudämmen, die zu einer bedrohlichen Plage im Düsterwald geworden sind. Bilbo, Thorin und die anderen Zwerge töten insgesamt zehn Riesenspinnen und arbeiten ohne Auftrag, aber im Interesse von Thranduil. Da auch nicht bekannt ist, dass es für Wildbret von Riesenspinnen einen Markt gibt, ist hier kein bezifferbarer Schaden entstanden.

huGO-BildID: 34163821 This image released by Warner Bros. Pictures shows a scene from "The Hobbit: The Desolation of Smaug." (AP Photo Warn
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Verletzung des Zwergs Kili durch einen Ork-Pfeil

Dadurch, dass der Zwerg Kili im Rahmen seiner Tätigkeit für Thorin durch einen Ork-Pfeil am rechten Oberschenkel verletzt wurde, hat er einen Arbeitsunfall erlitten. Ein solcher ist dann gegeben, wenn ein abhängig Beschäftigter im Rahmen seiner Tätigkeit einen Unfall erleidet. Unfälle sind zeitlich begrenzte, von außen auf den Körper einwirkende Ereignisse, die zu einem Gesundheitsschaden oder zum Tod führen (§ 8 SGB VII).  Folglich könnte sich Kili an die zuständige Berufsgenossenschaft wenden, um Ersatz der Behandlungskosten und Verletztengeld zu beantragen. Eine Haftung Thorins als Arbeitgeber – etwa wegen schuldhaften Verstoßes gegen Unfallverhütungsvorschriften – ist jedoch nicht ersichtlich.

huGO-BildID: 34213016 This image released by Warner Bros. Pictures shows the character Azog, performed by Manu Bennett, in a scene from "The Hob
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Tötung von 70 Orks

Insgesamt kommen 70 Orks ums Leben. Über die Bestattungsriten von Orks ist nur wenig bekannt. Meist werden die im Kampf gefallenen Orks einfach liegen gelassen oder es kommt zu Massenverbrennungen. Daher ist es unwahrscheinlich, dass erhöhte Beerdigungskosten angemeldet werden. Ein Ork ist pauschal 100 Euro wert, also macht das insgesamt 7000 Euro. Von Ork-Witwen oder Ork-Waisen ist nichts bekannt, so dass die Schadenregulierer nicht mit Unterhaltsansprüchen rechnen.

huGO-BildID: 34213023 This image released by Warner Bros. Pictures shows Ian McKellen in a scene from "The Hobbit: The Desolation of Smaug."
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Tötung von drei Wargen

Bei seinem Kampf in Dol Gundur lässt Gandalf drei Warge (Riesenwölfe) mitsamt ihren Ork-Reitern in den Abgrund stürzen. Im Rahmen der letzten Schadenanalyse (zu „Der Hobbit – eine unerwartete Reise“) wurde ein Warg mit 100.000 Euro taxiert, vor dem Hintergrund, dass es sich um eine vom Aussterben bedrohte Tierart handeln würde. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass in Dol Gundur ein umfangreiches Nachzuchtverfahren gestartet wurde, so dass Warge nicht mehr unter Artenschutz fallen und auch auf dem Reittier-Markt wesentlich preiswerter gehandelt werden. Ein junger, als Reittier ausgebildeter Warg kommt jetzt auf einen Wiederbeschaffungswert von 6.000 Euro. Die drei abgestürzten Warge werden also zusammen mit 18.000 Euro bewertet.

Hobbit-Europapremiere in Berlin
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Verlust einer Drachenschuppe

Auch der Drache Smaug wurde nicht verschont. Durch eine Rückblende haben die Schadenregulierer erfahren, dass dem Drachen bei seinem Überfall auf die Stadt Thal eine Drachenschuppe herausgeschossen wird. Der Vorfall ist jedoch bereits 171 Jahre her. Ein möglicher Schadenersatzanspruch von Smaug ist zweifelsfrei verjährt, daher ist eine weitere Prüfung entbehrlich.

huGO-BildID: 34213052 This image released by Warner Bros. Pictures shows a scene from "The Hobbit: The Desolation of Smaug." (AP Photo Warn
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Zerstörtes Weinfass

Schadenmeldung durch Thorin Eichenschild: Ein Weinfass ist auf der Flucht vor einer Orkmeute zerbrochen. Die Wildwassertour auf der ein Weinfass mit 1.200 Liter Fassungsvermögen zerstört wurde, liegt außerhalb des Versicherungsortes. Auch ein Verweis auf die bestehende Außenversicherung durch Herrn Eichenschild kann nicht anerkannt werden, da die Wildwassertour ein nicht ersatzpflichtiges Schadenereignis darstellt. Außerdem wurde das Fass nicht durch einer der versicherten Gefahren wie Feuer, Leitungswasser, Sturm/Hagel oder durch ein Elementarschadenereignis zerstört. Nach langen und schwierigen Grundsatzdiskussionen über den bestehenden Versicherungsvertrag, hat Herr Eichenschild die Ablehnung der Kostenübernahme akzeptiert. Trotzdem konnte er zufrieden gestellt werden: Dem Versicherungsnehmer wurde eine sehr gute Küferei empfohlen, die eine exakte Nachbildung des zerstörten Holzfasses herstellen kann. Zu einem Preis von 2.699 Euro inklusive der Mehrwertsteuer.

Die 42-jährige Komikerin, die mit bürgerlichem Namen Ilka Bessin heißt und vor rund 15 Jahren die Kunstfigur einer übergewichtigen Langzeitarbeitslosen erfand, ist zum allerersten Mal überhaupt in den USA. Ein Porträt in der „New York Times“ vor rund anderthalb Jahren, das Cindy als deutsches Comedy-Phänomen feierte, war der Anstoß für die Reise. Erstes Interesse und Kontakte ergaben sich, das Goethe-Institut half nach und schließlich wurde ein Auftritt mit Cindys Show „Pink is bjutiful“ angekündigt.

Currywurst, Döner und Frikadellen, Cindys erklärte Lieblingsspeisen, sucht man im Carolines vergeblich. Anstelle dessen steht etwa ein „Big Apple Martini“ für 11 Dollar (rund 8 Euro), ein Krabbencocktail für 14 Dollar oder ein Steak für gleich 32 Dollar auf der Karte. Vor dem Club kleben rote Sticker mit der Aufschrift „sold out“ (ausverkauft) über den Plakaten für Cindys Show. Der Kellerraum ist dann auch tatsächlich komplett voll - allerdings hat nur ein Bruchteil der Zuschauer die knapp 40 Dollar pro Eintrittskarte auch wirklich bezahlt, die meisten haben Freikarten bekommen.

„Kann ick jetzt 'n bisschen in Deutsch?“
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