Plötzlicher Gesundheitsfimmel bei den Angestellten
Hier quält der Boss selbst

Die Fitnesswelle ist in den Top-Etagen der Unternehmen angekommen. Wie Chefs ihre Mitarbeiter jetzt auf Vordermann bringen.

Seit knapp sechs Monaten läuft Heinz-Georg Wagner, leitender Angestellter eines großen deutschen Versicherungsunternehmens, die zwei Stockwerke zu seinem Büro mit geschmeidigem Schritt zu Fuß nach oben. Unter den Kollegen wird es neuerdings immer populärer, nach dem Mittagessen eine Runde Tischtennis zu spielen oder zu kickern, statt irgendwo auf dem Gang eine Verdauungszigarette zu rauchen. Was sie verbindet: Sie möchten abnehmen.

Der plötzliche Gesundheitsfimmel unter den Angestellten hat einen Grund: Im letzten Jahr hat sich Wagners Unternehmen dem Pilotprojekt "Gesundheitsmanagement" angeschlossen. Die Führungskräfte und Abteilungsleiter haben sich in einem Seminar zu so genannten "Gesundheitsmanagern" schulen lassen.

Das Motto der Veranstaltung: Gesundheit ist keine Privatsache. Seitdem motivieren 35 Gesundheitsmanager der Versicherung etwa 250 Mitarbeiter, sich mehr zu bewegen, mehr Obst zu essen und einen gesünderen Lebensstil zu pflegen. So kam die Tischtennisplatte ins Haus, so bildeten sich am Feierabend Nordic-Walking- und Rückentraining-Gruppen, und es entstand ein Fußballteam.



Etwa einmal im Monat spricht der 41-jährige Personalleiter Wagner mit seinen Angestellten über deren Gesundheitszustand. Ein sensibles Thema. Selbst mit Problemfällen wie Diabetikern, stark Übergewichtigen und Langzeitkranken hat er in Rollenspielen gelernt umzugehen. Die Führungskraft wird Fitness-Coach.

"Wir haben es schließlich selbst in der Hand, wie fit wir sind: mindestens 50 Prozent aller chronischen Krankheiten werden durch Bewegungsmangel, Rauchen und falsche Ernährung verursacht", weiß Wagner jetzt.

"Wenn Maßnahmen zur Gesundheitsförderung in Unternehmen greifen sollen, dann müssen die Führungskräfte ran", hat Dirk Lümkemann, Sportarzt und Erfinder der Gesundheitsseminare für Manager, festgestellt. Denn Betriebsvolleyball, ambulanter Massageservice und die Salatbar in der Kantine - all das gibt es in größeren deutschen Unternehmen schon lange. Doch hat sich beim Gros der Angestellten dadurch nicht viel verändert. Seit einem Jahr nun aber bildet der Geschäftsführer der Firma Padoc Führungskräfte zu Gesundheitsmanagern aus.

Wer die Kollegen gesund halten will, muss strategisch vorgehen, meint Lümkemann. "Wenn ich den Teilnehmern in meinem Seminar erzähle, sie müssten dreimal die Woche eine Stunde lang joggen, habe ich plötzlich nur noch zwei Zuhörer."

Er empfiehlt den Teilnehmern, nur Dinge ändern zu wollen, die sie auch gegen alle Widerstände ändern können. Am Anfang steht die Frage: Was kann ich machen? Wie überwinde ich meinen inneren Schweinehund? Wie bringe ich Leute mit einer 50-Stundenwoche dazu, körperlich aktiver zu sein?

Selbst Außendienstmitarbeiter können in ihrem Alltag zwischen Flugzeug und Geschäftsessen kleine Fitness-Einlagen installieren. So empfiehlt Lümkemann, sich nicht aufs Laufband zu stellen, wenn man den Flugsteig wechselt, sondern zu laufen. "Packen Sie sich zwei kleine Taschen statt eines Rollkoffers, und gehen Sie zu Fuß", rät der Sportmediziner. Das kräftige obendrein die Armmuskulatur.

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