Poetry Slams
Neues Geschäftsfeld: Live-Literatur

Immer mehr Deutsche interessieren sich für Live-Literatur, Poetry Slams boomen: So hat der Westdeutsche Rundfunk (WDR) zwischen Februar und April Poetry Slams übertragen und sie ins Netz gestellt. Auch einige Verlage sind auf den Zug aufgesprungen und wollen das Vorgetragene abdrucken - ein schwieriges Unterfangen.

DÜSSELDORF Zähne, Zunge und Zäpfchen sind ihre Instrumente: „Weit, weit, weit, faahrrr, faahrrr, faahrrr, fliiiiieeh, fliiiiieeh, fliiiiieeh“. Die Nachwuchsautorin Ivette Vivien Kunkel beschreibt gerade eine temporeiche Autofahrt. Sie macht das gut. Sie soll bleiben. Heute steht Live-Literatur auf dem Programm der Dortmunder Kneipe Subrosa. Zur Regel gehört, dass die Gäste rote Karten zeigen und damit bestimmen, wie lange die Wortverdreher auf der Bühne bleiben dürfen. Diese sprechen singend, reden reimend oder erzählen eine Geschichte.

Das Publikum will das hören. Die Deutschen interessieren sich immer mehr für Live-Literatur, die Veranstaltungen sind voll. Das hat auch der Westdeutsche Rundfunk (WDR) erkannt: Von Februar bis April übertrug der Sender eigens inszenierte Poetry-Slams und stellte sie zudem ins Netz. Weitere Runden sind für Oktober geplant.

Was aber passiert mit den Texten, die auf den Bühnen vorgetragen, aber noch unveröffentlicht sind? Live-Literatur lesbar zu machen scheint angesichts von Atmosphäre, Gestik, Sprache und Mimik der Autoren ein Widerspruch in sich zu sein. Doch auch, wenn es schwierig ist, das Vorgetragene in Buchform zu pressen, sind einige Verlage eingestiegen. Ob das Publikum das Gehörte zu Hause aber hören oder sogar lesen will, ist hingegen fraglich.

Jams, Slams, Open Mics und Lesebühnen, Dichtervorträge und -wettbewerbe stammen aus den USA. Allen Ginsberg, Vertreter der Beat-Generation und Verfasser des Gedichtes „Howl“, hatte es 1955 in der Six-Gallery in San Francisco vorgetragen. Das Geheul erregte Aufsehen, weil es als obszön galt. Ein Verleger veröffentlichte „Howl and other poems“ und stand dafür zwei Jahre später vor Gericht – kam aber frei, nachdem Literaturwissenschaftler dem Gedicht eine herausragende Bedeutung für die Gesellschaft zugesprochen hatten. Auch der Poetry Slam stammt von einem amerikanischen Dichter: Marc Kelly Smith führte die Dichterschlacht 1986 im Green-Mile-Jazzclub in Chicago ein.

Der Startpunkt für Live-Literatur in Deutschland lag in Berlin. Zur Wendezeit formierten sich dort die ersten Lesebühnen – ein Forum, für das sich nur eine spezielle Minderheit, eine eigene Lesebühnen-Szene interessierte. Mitte der 1990er traten Dichter zum ersten „Poetry Slam“ an – in Düsseldorf und in Berlin. Im vergangenen Jahr wurde die Meisterschaft in München ausgetragen. Dort hat das Team der Autoren Michael Ebeling und Volker Strübing gewonnen. Im Jahr davor hatte Strübing im Einzel gesiegt. Die beiden sind aber nicht nur als Slammer erfolgreich, sondern auch als Autoren Berliner Lesebühnen, etwa bei der „Chaussee der Enthusiasten“ und „Liebe statt Drogen“ (LSD). Ebeling ist Mitglied bei LSD, Strübing bei beiden.

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