Pop Art
Reproduziertes „Leben mit Pop“

Die Kunsthalle Düsseldorf hat eine vorzügliche Ausstellung erarbeitet, die die Anfänge der Pop Art in Düsseldorf untersucht. Sie ist so grundlegend, dass sie zur Polke-Retrospektive in New York wandert.
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DüsseldorfAusstellungs-Rekonstruktionen sind gerade in Mode. Die spektakulärste dürfte der kontrovers diskutierte Rückblick auf Harald Szeemanns „When Attitude becomes Form“ sein, die derzeit in der Fondatione Prada in Venedig läuft. Rekonstruktion in Verbindung mit aufschlussreicher Forschung hingegen betreibt die vorzügliche Ausstellung „Leben mit Pop. Eine Reproduktion des Kapitalistischen Realismus “ in der Kunsthalle Düsseldorf wwwkunsthalle-duesseldorf.de (noch bis 29. September).

Ausgangspunkt ist die Aktion „Leben mit Pop – Eine Demonstration für den kapitalistischen Realismus“ im Möbelhaus Berges in Düsseldorf – vor 50 Jahren. Drei der vier Helden von damals spielen heute noch eine Rolle. Gerhard Richter und Sigmar Polke im Kunstmarkt, Konrad Lueg als Gründer der heute noch erfolgreichen Galerie Konrad Fischer. Nur Manfred Kuttner hat sich schon früh vom Kunstbetrieb zurückgezogen.  Wo sie auftraten, was sie taten und was sie kurze Zeit zuvor an Impulsen aufgenommen hatten, wird nachvollziehbar.

Kühne Kopien

Viele Inkunabeln des deutschen Pop sind nicht mehr auszuleihen, und wenn, dann sind die Versicherungsgebühren unerschwinglich. Das Kuratorenteam um Direktor Gregor Jansen hat sich deshalb entschieden, mit 1:1-Reproduktionen zu arbeiten. Die Maler malten ja auch Repros nach Zeitungen, mit großen Rasterpunkten. Das funktioniert erstaunlich gut, weil der Warencharakter von Werken betont wird, die man eh gut kennt. Die Präsentation entspricht dem Thema, ist originell und amüsant.

Was Gästebücher verraten

Das eigentlich Aufregende an der Schau, ist die Tatsache, dass die Kuratorin Susanne Rennert für die vorgeschaltete Fluxusgeschichte, viele Belege gefunden, die die Genese des Populären in der Kunst  neu beleuchten. An Gästebucheinträgen und Veranstaltungsfotos werden so Anregungen und Impulse aus den Fluxusaktionen deutlich. Etwa, dass Richter schon 1962 Verwischungen von Wolf Vostell gesehen hat.

Ganze Wände sind mit Archivalien bestückt, die dem, der es will, Tiefenbohrungen in jene Zeit ermöglichen, als Düsseldorf die Speerspitze der Avantgarde war und die Tabus andauernd gebrochen wurden. Darum wird der Katalog sehnlichst erwartet. Er soll noch im September erscheinen (35 Euro), er wird bei der Finissage vorgestellt werden.

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Reproduziertes „Leben mit Pop“

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Tapete als Reizstoff

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