Popkomm hat begonnen
Grönemeyer fordert Kampf gegen Armut

Zum Kampf gegen Armut hat am Mittwoch Herbert Grönemeyer zu Beginn der Popkomm in Berlin aufgerufen. Der Musiker und Schauspieler nutzte die Musik- und Entertainmentmesse, um für seine politische Kampagne „Deine Stimme gegen Armut“ zu werben.

HB BERLIN.„Es ist tragisch, wie die westliche Welt scheitert bei einer Katastrophe wie in Niger“, sagte der Musiker mit Blick auf die Hungersnot in dem afrikanischen Land. Wenn die Staatengemeinschaft sich bei einer einzelnen Katastrophe so machtlos zeige, erscheine die Bekämpfung der weltweiten Armut schier unmöglich.

„Aber wir machen so lange weiter, bis die Politiker uns nicht mehr ertragen können“, sagte Grönemeyer, der weltweit Prominente wie Brad Pitt, Will Smith oder Claudia Schiffer hinter sich weiß. Die Kampagne, die international unter dem Motto „Global Call to Action Against Poverty“ steht, hatte mit den Live-8-Konzerten im Juli große Aufmerksamkeit erhalten. Sie soll die Regierungschefs dazu bringen, die Millenniumserklärung der Vereinten Nation (Uno) zu erfüllen.

Eine Hauptforderung lautet, die Zahl der extrem armen Menschen bis 2015 zu halbieren - momentan gebe es eine Milliarde dieser Ärmsten, die mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen müssen. In New York begann am Mittwoch der Uno-Gipfel „Millennium+5“, auf dem überprüft werden soll, ob die gesteckten Ziele erreicht wurden.

Grönemeyer kritisierte die Staats- und Regierungschefs der G8-Länder. „Das, was sie versprochen haben auf dem Gipfel in Gleneagles (im Juli), ist noch lange nicht umgesetzt.“ Unter anderem hatten sich die G8-Länder auf einen Schuldenerlass für die ärmsten Staaten und eine Aufstockung der Entwicklungshilfe um 50 Milliarden US-Dollar bis 2010 geeinigt. Auch die weltweiten Live-8-Konzerte mit Stars wie Madonna, Robbie Williams und U2 sieht Grönemeyer kritisch, obwohl er selbst auf der Bühne vor dem Brandenburger Tor stand. „Das Ganze ist ja eine politische Aktion (...) Live 8 hat möglicherweise ein bisschen von der politischen Arbeit abgelenkt. Und in Afrika sagen die Leute, wir brauchen keine Konzerte, sondern Hilfe jetzt.“

Die Plattenbranche will die Kampagne unterstützen, wenn auch eher ideell als materiell. Auf CD- und DVD-Covern werde mit Aufklebern dafür geworben, Künstler- und Label-Webseiten würden mit der Kampagne verlinkt, erklärte der Phonoverband. Grönemeyer appellierte an die Medien, sich auch zu beteiligen. „Wir brauchen Medienpräsenz, aber keine Zeitung hat uns bisher Platz zur Verfügung gestellt - das finde ich erschütternd.“

Jeder könne selbst seine Stimme erheben, erklärte der Musiker. „Auf der Webseite www.Deine-Stimme-gegen-Armut.de kann sich jeder eintragen.“ Die Stimmen würden zur Welthandelskonferenz im Dezember in Hongkong mitgenommen. Vergangenen Freitag wurden die ersten 300 000 „Stimmen gegen Armut“ Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) übergeben. In Deutschland unterstützen rund 100 Nicht- Regierungsorganisationen wie Misereor oder die Welthungerhilfe die Aktion.

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