Portigon Kunstsammlung: Kampf gegen den Ausverkauf

Portigon Kunstsammlung
Kampf gegen den Ausverkauf

Zweieinhalb Jahre, nachdem missglückte Spekulationen die nordrhein-westfälische Landesband WestLB ins Aus befördert haben, soll der Kunstschatz zu Geld gemacht werden. Nordrhein-Westfalens Museumsdirektoren protestieren und fragen nach den juristischen Voraussetzungen.
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DüsseldorfEine „kulturpolitische Bankrotterklärung“ – so bezeichnen die nordrhein-westfälischen Museumsdirektoren den geplanten Kunstverkauf der WestLB-Nachfolgerin Portigon AG. Die Kunstwerke gehörten eigentlich den Bürgern in Nordrhein-Westfalen, heißt es in ihrer gemeinsamen Presseerklärung vom heutigen Mittwoch. Insbesondere verwahren sich die Museumsleiter davor, vorher in den Genuss von Leihgaben zu kommen. „Unsere Häuser dürfen nicht zum Durchlauferhitzer für den Kunstmarkt werden“, beantworten sie den Vorschlag des Portigon-Vorstandsvorsitzenden Kai Wilhelm Franzmeyer, ausgewählten Museen Werke aus der Sammlung vor deren Verkauf zur Verfügung zu stellen. Man werde sich an dieser dubiosen Aktion nicht beteiligen.

Von Zynismus zeugt nach Auffassung der Museumsleiter auch das Angebot an die öffentlichen NRW-Sammlungen, die Werke „zum Marktpreis abzukaufen. Dies sei namentlich bei wichtigen Werken „angesichts der aktuellen Marktpreissituation völlig undenkbar“.

Die Bilanz auf Null setzen

Kai Wilhelm Franzmeyer hatte im Interview mit der am gestrigen Mittwoch erschienenen Rheinischen Post ausgesagt, es gebe zum Verkauf der Kunstsammlung keine Alternative. Portigon müsse nach den Vorgaben der Europäischen Kommission abgewickelt werden. „Das bedeutet: Wir müssen die Bilanz auf Null setzen, also sämtliche Vermögensgegenstände – und damit auch die Kunstsammlung, die ja Teil des Betriebsvermögens ist, verwerten.“

Die Museumsleiter können dies nicht nachvollziehen. Sie werfen den Verantwortlichen der Portigon „Verachtung gegenüber kulturellen Werten“ vor. Wertvolle Kunstwerke würden „mit formaljuristischen Begründungen so behandelt, als wären sie beliebige Büroausstattung. Anders als ein Bürostuhl oder Laptop ließe sich ein für die Öffentlichkeit bedeutendes Kunstwerk nicht mehr ersetzen, wenn es nach seinem Verkauf in einer Privatsammlung irgendwo in der Welt verschwinden würde. „Fraglich bleibt zudem, ob mit dem Verkaufserlös auch nur ein Bruchteil des finanziellen Schadens ausgeglichen werden kann, den die missglückten Spekulationen der WestLB angerichtet haben“, heißt es weiter im Protestschreiben der Museumsleiter.

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