Portigon Kunstsammlung
Lösung mit vielen Unbekannten

Im Kulturministerium hat der erste „Runde Tisch“ getagt. Das Ergebnis wurde von den Beteiligten einhellig als Wende im Konflikt um den Verkauf der Portigon-Kunst gefeiert. Die Absichtserklärungen sollten jedoch mit Vorsicht genossen werden.
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DüsseldorfKulturministerin Ute Schäfer (SPD) war die Erleichterung deutlich anzumerken, als sie nach der ersten Sitzung des Runden Tisches über den Umgang mit Kunst im Besitz von Landes-Unternehmen vor die Presse trat: „Wir haben unser erstes Ziel erreicht, denn wir haben endlich miteinander statt übereinander geredet.“ Monatelang hatte Schäfer zuvor in der wichtigsten kulturpolitischen Debatte der letzten Zeit geschwiegen und musste es – offenbar auf Geheiß von Hannelore Kraft, die sich aus der Debatte ebenfalls heraus hielt – stets Finanzminister Norbert Walter-Borjans überlassen, mit markigem Pragmatismus den Verkauf der Portigon-Kunst als alternativlos darzustellen (Siehe Handelsblatt Online). Bevor er einige Tage vor dem runden Tisch eine überraschende Kehrtwende vollzog und beteuerte, die rot-grüne Landesregierung werde „alles in ihren Kräften Stehende tun, um Kunstwerke der Sammlung für Nordrhein-Westfalen zu sichern“. Nach einem großspurigen Interview des Portigon-Chefs, Kai Wilhelm Franzmeyer, mit der „Rheinischen Post“ war der öffentliche Druck auf die Landesregierung offenbar zu groß geworden.

Diese freilich noch eher vage Absichtserklärung Walter-Borjans’ wurde nach dem ersten Runden Tisch nun bekräftigt und durch erste Aktivitäten gestützt. „Es wird keine rein ökonomische, sondern eine politische Lösung geben“, beteuerte Ute Schäfer, „wir wollen die wertvolle Kunst für das Land sichern.“

Für einen Verkauf im Ausland nicht mehr attraktiv

Unter Schäfers Leitung hatten 22 Teilnehmer aus Politik, den Landesunternehmen und der Kunstwelt mehr als drei Stunden in „konstruktiver und angenehmer Atmosphäre“ getagt. Sie erkenne „einen ganz großen politischen Willen, eine Lösung zu finden“, gab auch Susanne Titz, Direktorin des Museum Abteiberg in Mönchengladbach bei der Pressekonferenz zu Protokoll.

Dieser politische Wille artikuliert sich bislang vor allem darin, dass die Kulturministerin noch vor der Diskussion am Runden Tisch Fakten geschaffen hat. Denn sie hat zwölf Objekte aus der Portigon-Sammlung auf eine Liste setzen lassen, die ein eigens ernanntes fünfköpfiges Sachverständigengremium daraufhin überprüfen wird, ob es sich bei den Objekten um „national wertvolles Kulturgut“ handelt.

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