Porträt aufgehängt
Schröder in Gold weilt auf immer im Kanzleramt

Gut anderthalb Jahre nach Ende seiner Kanzlerschaft ist Gerhard Schröder ins Berliner Kanzleramt zurückgekehrt. Er wohnte der Präsentation seines Porträts in der Ahnengalerie der deutschen Regierungschefs bei, das vom Maler Jörg Immendorff vor dessen Tod im Mai geschaffen wurde.

HB BERLIN. Schröder sagte, eigentlich sei dies ein schöner Anlass und guter Abschluss seiner Arbeit. Allerdings mische sich auch Trauer über den Tod seines Freundes Immendorff in die Freude. An seine Nachfolgerin Angela Merkel gewandt sagte er dann lachend: Die Tatsache, dass neben seinem Porträt noch Platz sei, deute darauf hin, dass - „wann auch immer - Sie möglicherweise einmal neben mir hängen“.

Merkel reagierte schlagfertig. „Die große Koalition macht es möglich, dass Sie sich nicht ganz so fremd fühlen und Sie auch ein paar Kameraden mitbringen konnten“, sagte sie zu Schröder. Jetzt müssten die Besucher des Kanzleramts beim Blick auf die Kanzlerporträts nicht mehr fragen: „Warum ist Schröder nicht aufgehängt?“

Schröder hatte seinen Freund Immendorff, der im Mai an der Nervenkrankheit ALS gestorben war, beauftragt, das 1,30 Meter mal ein Meter große Porträt zu schaffen. Das scharf gezeichnete Gesicht Schröders leuchtet im Stil einer Ikone ganz in Gold. Flankiert wird das Porträt von roten Affen, die immer wieder in Immendorffs Werken auftauchen. Dahinter ist ein stilisierter Bundesadler zu sehen. Immendorff hatte Schröder das Porträt geschenkt, der es seinerseits dem Kanzleramt als Dauerleihgabe überlässt. Damit kommen auf die Steuerzahler keine Kosten zu.

Die Idee zum Porträt entstand bereits vor sieben Jahren auf einer gemeinsamen Reise Schröders mit Immendorff nach Georgien. Trotz seiner Nervenkrankheit hatte der an den Rollstuhl gefesselte Immendorff mit seinen Assistenten eine Methode entwickelt, Werke zu schaffen. Er entwarf seine Bilder in allen Einzelheiten am Computer, die Ausführung auf der Leinwand besorgten seine Mitarbeiter.

Es ist Tradition, dass Porträts der aus dem Amt geschiedenen Regierungschefs im Kanzleramt ausgestellt werden. Die Idee hatte Helmut Schmidt in den 70er Jahren. Der Gang von seinem Büro im neu gebauten Bonner Kanzleramt zum Kabinettsaal sei ihm zu langweilig gewesen, wird berichtet. Die Bilder werden von den ausscheidenden Kanzlern bei einem Künstler ihrer Wahl in Auftrag gegeben. Zuletzt hatte sich Helmut Kohl von dem Leipziger Maler und Heisig-Schüler Albrecht Gehse in eher konventioneller Form malen lassen.

Schmidt selbst wählte mit Bernhard Heisig einen Künstler aus der DDR. Willy Brandt hatte den Kölner Maler Georg Meistermann beauftragt. Kritiker erklärten, Brandt gleiche auf dem feuerroten Bild einem „apokalyptischen Reiter“, es sehe aus wie ein „Ölbild nach Säureanschlag“. Daraufhin ließ Kohl das Bild durch eine realistischere Darstellung des Künstlers Oswald Petersen austauschen.

Das Brandt-Porträt hängt neben denen von Kurt Georg Kiesinger und Ludwig Erhard, die sich vom bayerischen Künstler Günter Rittner malen ließen. Konrad Adenauers Porträt stammt aus einer Serie, die der Maler Hans-Jürgen Kallmann angefertigt hat.

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