Portrait
Sir Peter Ustinov: Texten auf der Party

Seit mehr als sechs Jahrzehnten schreibt er. Und spielt, zeichnet, führt Regie bei Film, Theater und Oper. In Eric Tills Film „Luther“ mimt Sir Peter Ustinov den sächsischen Kurfürsten Friedrich.

Zu gern hätte man das gesehen: Sir Peter Ustinov in der Rolle Martin Luthers. Doch es ist Joseph Fiennes, der in Eric Tills Film „Luther“ den jungen Reformator aus Eilsleben verkörpert. Ustinov ist in einer charmanten Nebenrolle zu sehen: Als sächsischer Kurfürst Friedrich der Weise, der Luther mit einem getürkten Überfall vor der Inquisition rettete. „Glücklicherweise darf ich mich einen Charakterschauspieler nennen“, frotzelt Ustinov beim Gespräch im Berliner Westin Grand Hotel an der Friedrichstraße, „und da ich weder weise bin noch Friedrich heiße, reizte mich diese Rolle sehr.“

Vielleicht war es auch einfach ein Gefallen für einen alten Freund, der mit „Luther“ einen eher mittelmäßigen Film geschaffen hat: Ustinov und Eric Till haben bereits 1968 gemeinsam einen Film gemacht, „Hot Millions“. Ustinov hatte das Drehbuch zu der Krimikomödie geschrieben und erhielt eine Oscarnominierung dafür. An Luther, so sagt er, fasziniere ihn vor allem „dieses Paradox: Luther war ein sehr guter Katholik und er war der Überzeugung, dass die Katholiken in Rom nicht katholisch genug waren. Das interessiert mich sehr.“

Auch Ustinov hat ein gebrochenes Verhältnis zur Religion. „Wenn man mich fragt, woran ich glaube, ist das schon ein gutes Zeichen, denn offenbar lässt es sich allein von meinem Anblick nicht ableiten. Ich glaube an die Grundannahmen der kirchlichen Religionen – nur: Ich liebe zwar das Theater, aber ich brauche nicht mit einer Agentin zu schlafen, um das festzustellen. Die Rituale der Kirchen amüsieren mich, aber die Manierismen des Klerus finde ich irritierend, denn sie haben nichts mit Göttlichkeit zu tun.“

Ustinov hat 1993 mit „Inside the Vatican“ selbst eine sechsteilige Fernsehserie über die katholische Kirche geschrieben. „Ich bin der Überzeugung“, sagt er ernst, „dass politische oder religiöse Ideen, die auf Dogmen gebaut sind, nicht ewig sein können. Sie geben sich selbst keine Luft zum Atmen. Schauen Sie sich den Kommunismus an: Die Idee mag gut gewesen sein, aber sie war nicht praktikabel, sonst hätte sie von Stalin nicht derart pervertiert werden können.“



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