Präkolumbische Kunst: Peinliche Polemik um Götterstatue

Präkolumbische Kunst
Peinliche Polemik um Götterstatue

Im Pariser Auktionshaus Drouot schlug Jean-Claude Binoche eine präkolumbische Götterstatue zum Rekordpreis von 2,9 Millionen Euro zu. Mexikos Behörden erklären sie für falsch. Das lässt den Käufer kalt.
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ParisDie Kampfansage kam früh. „Ich werde den Markt für mexikanische Objekte in Europa ausmerzen“, soll der mexikanische Botschafter Carlos De Icaza nach seinem Amtsantritt in Paris im Jahr 2008 angekündigt haben. Das bestätigen der Experte für präkolumbische Objekte, Jacques Blazy, und der Pariser Auktionator Jean-Claude Binoche übereinstimmend dem „Handelsblatt“.

Am 21. März 2011 versteigerte Jean-Claude Binoche 215 präkolumbische Steinskulpturen und Keramiken aus der seit 30 Jahren bekannten Genfer Sammlung H.Law für insgesamt 7.452.914 Euro im Hôtel Drouot. Das mit dem Weltrekordpreis von 2,9 Millionen Euro zugeschlagene Starlos ist eine der Maya-Zivilisation (550-950 n. Chr.) zugeordnete Götterstatue aus farbig gefasstem Stuck. Wegen ihrer Größe von 156 cm, ihrem bis jetzt unbekannten Stil und ihrer extrem guten Erhaltung gilt die Statue als einzigartiges Objekt der Maya-Hochkultur im bis jetzt kaum erforschten Südosten Mexikos. Ein bedeutender europäischer Telefonbieter erwarb die mehrmals für Ausstellungen ausgeliehene, sitzende Gottheit, die zuletzt 1998/1999 im Genfer Musée Rath im Rahmen der Ausstellung „Mexiko, Land der Götter. Schätze der präkolumbischen Kunst“ zu sehen war und deren Authentizität bisher kein Kenner anzweifelte.

Mexikanische Attacken

Das mexikanische Außenministerium und das mexikanische „Staatliche Institut für Anthropologie und Geschichte“, erklärten die Götterstatue, (sowie 66 andere Skulpturen der Sammlung H.Law) am 23. März in einem Kommuniqué, als „neuere Fabrikation, da sie zu keiner der prä-spanischen Kulturen Mexikos gehört“. Doch während der privaten Besichtigungen im Stadtpalais von Auktionator Binoche am Place des Vosges und vor der Auktion im Hôtel Drouot nahm kein offiziell auftretender Mexikaner, geschweige denn ein Altamerikanist, eine Analyse der Statue vor. Die Behauptung, die Statue sei nicht authentisch, kann nur von den Archäologen Alejandro Castillo und Alejandro Bautista Valdespino aufgestellt werden – mit Hilfe von Fotografien.

 Auf der Website der mexikanischen Botschaft in Paris findet man das Kommuniqué und die Erklärung, warum die Statue falsch sein soll. Sie sei zu groß, nämlich 165,5 cm (also um 11,5 cm höher als die Beschreibung im Auktionskatalog), ihre Oberfläche sei künstlich gealtert und die Sandalen-Riemen seien nicht mexikanisch. Eine genaue Lektüre der Beschreibung des Auktionskatalogs von Henri Stierlin, dem Autor des Ausstellungskatalogs in Genf, macht diese Argumente nichtig.

Ein politisches Problem

Die mexikanische Regierung habe das französische Außenministerium bereits am 21. Januar d.J. informiert, dass mehrere Objekte der Sammlung „neuer Herstellung“ seien, liest man auf der Website. „Wir wurden nicht informiert“, kontern Auktionator Binoche und Experte Blazy. Eine Antwort des französischen Außenministeriums steht noch aus. Die persönliche Stellungnahme eines mexikanischen Diplomaten war über Tage hinweg nicht zu erhalten. Der Experte Jacques Blazy bezeichnet die mexikanische Polemik als „politisches Problem“. Er stützt sich auf die Erkenntnisse von Nikolai Grube, dem Leiter des Instituts für Altamerikanistik und Ethnologie an der Friedrich-Wilhelm Universität Bonn. Grube ist Spezialist für die Kultur und Inschriften der Maya und habe die Götterstatue anlässlich ihrer Präsentation im Musée Rath in Genf 1998 studiert, erklärt Blazy.

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