Preisgekrönter Star
Bleibtreu: „Wollte immer gute Schauspielerin sein“

Die Schauspielerin Monica Bleibtreu ist tot. Die gebürtige Wienerin erlag kurz nach ihrem 65. Geburtstag in der Nacht zum Donnerstag in Hamburg einem langjährigen Krebsleiden.

HB FRANKFURT. Nicht nur für ihren Sohn Moritz war sie eine der besten deutschsprachigen Schauspielerinnen. Monica Bleibtreu erhielt in ihrer Karriere zahlreiche Preise und Auszeichnungen, noch vor knapp drei Wochen wurde sie mit dem österreichischen Fernsehpreis "Romy" geehrt. Ihr Tod kam trotz ihrer langjährigen Krebserkrankung überraschend. Sie starb in der Nacht zum Donnerstag in Hamburg - nur wenige Tage nach ihrem 65. Geburtstag.

"Ich wollte immer einer gute Schauspielerin sein und gute Arbeit leisten. Aber ich wollte keine öffentliche Person sein, das heißt, ich fürchtete mich vor Erfolg, er war mir direkt unheimlich", verriet Bleibtreu in einem Interview. Erst als ihr Sohn Moritz Meriten gesammelt habe und sie so richtig stolz auf ihn und seine Arbeit gewesen sei, habe sie sich gedacht: "So schlimm ist es ja auch nicht mit dem Erfolg. Und in dem Moment kam der Erfolg."

Monica Bleibtreu wurde am 4. Mai 1944 in Wien geboren und stammte aus einer mehrere Generationen umfassenden Schauspielerfamilie. Erstmals stand sie im Alter von 19 Jahren auf der Theaterbühne, doch erst Mitte 30 entschied sie sich nach eigenen Angaben dafür, hauptberuflich Schauspielerin zu werden.

Nach ihrer Ausbildung am renommierten Max-Reinhardt-Seminar in Wien arbeitete sie an den bedeutendsten Bühnen im deutschsprachigen Raum, so am Wiener Burgtheater, an den Münchner Kammerspielen, am Schauspielhaus Zürich sowie an der Freien Volksbühne und dem Schiller-Theater in Berlin.

Bleibtreu lebte in Berlin und Hamburg - dort nicht weit entfernt vom Schauspielhaus, dem sie über viele Jahre stets treu blieb. Intendant Ivan Nagel hatte sie als 28-Jährige in die Hansestadt geholt. Mitte der 80er Jahre verließ sie das feste Ensemble und gründete eine eigene Gruppe, später jedoch kehrte sie ans Schauspielhaus zurück, wo sie in losen Abständen an Produktionen mitwirkte.

Stattdessen konzentrierte sich Bleibtreu auf eigene Projekte. Mit dem Solostück "Rose" von Martin Sherman tourte sie durch Deutschland und feierte mit der Rolle einer 80-jährigen Jüdin, die zurückblickt auf einschneidende Ereignisse des 20. Jahrhunderts, die sie alle mit durchlitten hat, große Erfolge.

Erstmals vor der Filmkamera stand sie 1969 unter der Regie von Franz Peter Wirth für den TV-Film "Change". Ihr Kinodebüt hatte sie 1972 in Hans Jürgen Syberbergs Film "Ludwig - Requiem für einen jungfräulichen König". Ihr Schwerpunkt wurden ausdrucksstarke Rollen in Fernsehfilmen.

Glanzrollen machte Monica Bleibtreu in den vergangenen Jahren aus ihrer Darstellung realer Frauen: Brechts Frau Helene Weigel in "Abschied - Brechts letzter Sommer" (2000) und der Frau Thomas Manns im ARD-Dreiteiler "Die Manns"; dafür durfte sie mit dem hochkarätigen Ensemble 2001 den Adolf-Grimme-Preis in Gold entgegennehmen, außerdem den Deutschen Fernsehpreis.

Mit ihrem Sohn Moritz Bleibtreu stand sie 1998 im Tom Tykwers Erfolgsfilms "Lola rennt" zusammen vor der Kamera. Moritz spielte die Hauptrolle, sie die Rolle einer Blinden. In den Kinos war sie zuletzt dieses Jahr im Knef-Film "Hilde" zu sehen.

Zu ihrem 65. Geburtstag am 4. Mai zeigte das ZDF noch einmal den Fernsehfilm mit dem bezeichnenden Titel "Ein starker Abgang" - eine Tragikkomödie aus dem Jahr 2008 über das Leben, die gesellschaftspolitische Gegenwart und den Tod, in der Bleibtreu an der Seite von Bruno Ganz spielte.

Die Mutter von Schauspieler Moritz Bleibtreu hatte erst vor wenigen Tagen (4. Mai) Geburtstag. An jenem Tag zeigte das Fernsehen die gebürtige Wienerin noch einmal in einem ihrer letzten Filme: "Ein starker Abgang" mit Bruno Ganz. "Ihr ist es gelungen, mit ganz wenigen Mitteln ganz große Wirkung zu erzielen", würdigte sie der Regisseur Heinrich Breloer am Freitag im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. In Breloers Verfilmung "Die Manns" (2001) spielte sie das mütterliche Familienoberhaupt. Auf der Leinwand war sie jüngst in "Hilde" zu sehen, zuletzt drehte sie noch für die Kinoproduktion "Tannöd".

Als eigenwillige Charakterdarstellerin stand Bleibtreu für zahlreiche TV- und Kinofilme vor der Kamera, unter anderem mit ihrem Sohn gemeinsam in dem Erfolgsstreifen "Lola rennt". Sie war die Helene Weigel in "Abschied - Brechts letzter Sommer" (2000), gab 2001 eine brummige Bäuerin in "Verlorenes Land", später eine vom Krebs gezeichnete Frau in "Marias letzte Reise" (2005) und eine 80-jährige Klavierlehrerin in "Vier Minuten" (2006).

Schon in den 60er Jahren hatte Bleibtreu kleinere Rollen in TV- Produktionen übernommen, 1969 besetzte sie Franz Peter Wirth im Fernsehspiel "Change", 1972 folgte ihr Kinodebüt mit "Ludwig - Requiem für einen jungfräulichen König" - und die Goldene Kamera. Die Absolventin des Max-Reinhardt-Seminars konnte da bereits auf jahrelange Erfahrungen an bedeutenden Bühnen wie dem Burgtheater Wien, dem Schauspielhaus Zürich und dem Deutschen Schauspielhaus Hamburg zurückblicken.

Ihre Wandlungsfähigkeit bescherte der Künstlerin, die in Hamburg und Wien lebte, gerade in jüngster Zeit zahlreiche Auszeichnungen bis hin zum renommierten Grimme-Preis. Sie selbst sah das ein wenig mit Erstaunen: "Ich mache den Beruf jetzt seit über 40 Jahren, und plötzlich tun alle so, als wäre ich vom Himmel gefallen", sagte Bleibtreu einmal. Erst kürzlich war die viel beachtete Schauspielerin mit dem österreichischen Fernsehpreis Romy als beste Schauspielerin geehrt worden - nur per Einspieler konnte sie sich dafür bedanken. Der Tod der beliebten Mimin hat die Öffentlichkeit überrascht.

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