Preisverleihung
Das dicke Geschäft mit den Oscars

Weltstars, große Erfolge, bittere Enttäuschungen: In der Oscar-Nacht spielen nicht nur die großen Gefühle eine Rolle – auch das große Geschäft. Labels, Produzenten und Promis nutzen jede Gelegenheit, sich zu vermarkten.
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San FranciscoDie Entscheidung fiel in letzter Minute. Das Historienepos „12 Years a Slave“ wird „Gravity“ mit Sandra Bullock und George Clooney in den Hauptrollen bei der Verleihung der Oscars ausstechen. Das jedenfalls ist die feste Meinung von Michael Gold, und die hat Gewicht in Hollywood. Im vergangenen Jahr schaffte seine Analysefirma Farsite mit Hilfe komplizierter Algorithmen fünf von sechs Oscar-Gewinnern korrekt vorauszusagen. „Gerade als wir dachten, das Rennen könnte nicht mehr spannender werden, passierte etwas, was unsere Analysten überrascht hat“, schreibt CEO Gold im Firmenblog zur aktuellen Situation, nicht ohne hinzuzufügen „und die sind schwer zu überraschen“.

Das Sklavendrama vor dem Hintergrund der USA vor dem Bürgerkrieg und das Weltraumdrama endeten unentschieden bei den PGA, den Producer Guild Awards. Sie sind der wichtigste Indikator für einen Oscar als bester Film. Das hat es seit 25 Jahren nicht mehr gegeben, staunt Gold. Trotzdem ist er sicher, dass seine hochentwickelte Datentechnologie auch diesmal die richtige Entscheidung treffen wird. Er sieht deshalb den Kampf um die Freiheit mit einer Wahrscheinlichkeit von 55 zu 38 Prozent vor den Kampf gegen die Schwerkraft.

Harvard-Student Ben Zauzmer dagegen beißt die Zähne zusammen. „Gravity“ liegt in seiner Analyseauswertung weiter vorne. Sein persönlicher Favorit dagegen ist „12 Years A Slave“. Doch das ist egal, sagt er, „ich muss das machen, was die Zahlen sagen. Immerhin hat er vergangenes Jahr damit 17 von 21 Prognosen getroffen. Restlos daneben liegt demnach Google, wenn es um den besten Film geht. Der geht, gemessen an den Suchanfragen bei Google, klar an „Wolf of Wall Street“. Und auch Leonardo DiCaprio liegt als bester Schauspieler bei Google meilenweit vor Matthew McConaughey und seinem „Dallas Buyers Club“.

Es bleibt spannend, und am Sonntag zur besten Sendezeit in den USA und am frühen Montagmorgen in Deutschland werden wir wissen, wer Recht behält. Die Stimmen von 6000 Juroren werden in Los Angeles darüber entscheiden, wer die meisten begehrten Goldstatuetten mitnehmen darf und auf einem Kaminsims in einer der Luxusanwesen von Malibu bis Beverly Hills in Szene setzen kann. Von den Vegetariern bis zur Schmuckindustrie will jeder seinen Teil vom großen Glanz abhaben, wenn rund 1,2 Milliarden Menschen rund um den Globus an TV-Bildschirmen und im Internet das Spektakel verfolgen werden:

Für einen 30 Sekunden-Werbespot werden Firmen wie Chevrolet, Pepsi oder Disney 1,8 Millionen Dollar hinlegen, berichten Hollywood-Reporter. Die „Oscars“, wie die Academy Awards liebevoll genannt werden, sind der „SuperBowl für Frauen“, freut sich Karen Kovacs, Herausgeberin des „People“-Magazins. Rund 65 Prozent der amerikanischen Frauen sind einer Umfrage zufolge am roten Teppich interessiert, über den die Stars und Sternchen am Sonntagabend in das Dolby-Theatre, früher bekannt als Kodak-Theatre, in Hollywood defilieren. 

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