Premierenfeier: Leise Momente gehen in der Elbphilharmonie unter die Haut

Premierenfeier
Leise Momente gehen in der Elbphilharmonie unter die Haut

Die lang ersehnte Eröffnung der Elbphilharmonie war ein Triumph: „Elphi“ imponiert mit frappierender Tiefenschärfe. Es klingt immer überall, mit minimalem Nachhall, manchmal fast trocken, aber doch sanft umhüllt.
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HamburgEs sind die leisen Momente, die am tiefsten unter die Haut gehen: Wenn der Saal sich verdunkelt; und die Scheinwerfer sich auf den Countertenor Philippe Jaroussky richten, der innig und wie ganz für sich Giulio Caccinis „Amarilli mia bella“ singt, begleitet nur von einer einsamen Barock-Harfe.

Mitten im Saal, auf einem der elegant schwingenden Balkone steht der Sänger, der mit seiner zarten Zauberstimme in ähnlich großen Sälen wie der Elbphilharmonie schnell an seine Grenzen kommt. Hier steht er auf halber Höhe mitten im Publikum und kann seinen Stimmeinsatz herunter dimmen bis zum geflüsterten Seufzen. Jarousskys edle Stimme schwingt selbst im gebremsten Piano mit Leichtigkeit bis in den letzten Winkel des Saals, die klangliche Präsenz ist in der Tat atemberaubend.

Das gilt allerdings in jeder Hinsicht. Das NDR-Orchester, das in der „Elphi“ nun stolz als NDR Elbphilharmonie Orchester residiert, muss ab jetzt damit leben, dass dieser Saal wirklich nichts verzeiht. Man hört alles. Gnadenlos. Jeder Wackler im Einsatz fällt auf, jede kleinste Trübung der Intonation bohrt sich unbarmherzig ins Ohr.

Und zugleich mischt sich der Orchesterklang dann wieder auf derart magische Weise, dass er wie von oben zu kommen scheint und schwer zu lokalisieren ist. Wenn man die Augen schließt, kann man eigentlich nur vage ahnen, wo die Klänge erzeugt werden. Da unten? Nein, es klingt immer überall, mit minimalem Nachhall, manchmal fast trocken, aber doch sanft umhüllt.

Ein Klangwunder? Die Meinungen der Kollegen, die in den insgesamt drei Pausen des Eröffnungs-Marathons aufeinander prallen, sind durchaus geteilt. Das Klangwunder ist eine Frage der Platzierung. In Block R, fast ganz oben, ist die Mischung nahezu optimal.

Kollegen von Block P auf gleicher Höhe monieren, dass man die Streicher schlecht hört und die Bläser dominieren. Das kann aber auch an der Klangästhetik des Dirigenten Thomas Hengelbrock liegen, der aus der Schule zur historischen Aufführungspraxis stammt, ein ausgewiesener Feind des voluminösen Dauer-Vibratos ist und schlank intonieren lässt.

Hengelbrock hat als Chef des Orchesters und nunmehr musikalischer Hausherr von „Elphi“ ein dramaturgisch ausgefuchstes Programm zur Eröffnung ersonnen, das die Möglichkeiten des Saals unter Beweis stellen soll und das Publikum maximal fordert.

Schon beim vorgeschalteten Festakt – der sich fast eine halbe Stunde verzögert – serviert Hengelbrock zum Auftakt mit Beethovens Ouvertüre „Die Geschöpfe des Prometheus“ erst einmal ein paar harte Paukenschläge, die so bedrohlich trocken klingen, als würden Wassertropfen auf einer heißen Herdplatte verzischen.

Dann folgen erfreulich kurze Reden: Bürgermeister Olaf Scholz lobt Kaufmannsgeist und die Kreativität der Hanseaten, die obsiegt hätten. Bundespräsident Joachim Gauck improvisiert zunächst launig „Jetzt ist Elphi aufgemacht!“, bevor er dann noch einmal auf die unselige, mehr als zehn unendliche Jahre währende Baugeschichte eingeht.

Gauck unterstreicht, dass der Bürgersinn, den er so wortreich beschwört, „auch Feiertage braucht“ wie diesen hier. Er attestiert dem Bau, dass er „unserer offenen Gesellschaft entspricht“.

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„Futuristisches Schiff“

Kommentare zu " Premierenfeier: Leise Momente gehen in der Elbphilharmonie unter die Haut"

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  • Herr Mark Hoffmann11.01.2017, 15:09 Uhr
    Es langt schon, wenn wir mit der Grün-Sozialistischen Merkel wieder in einen grün-linken"Nazi-Deutschland" wieder angekommen sind.

    Herr Peter Spiegel11.01.2017, 16:13 Uhr
    Obama hat in Nazi-Deutschland Asyl beantragt. Kim Jong-un hat es genehmigt.

    Herr Peter Spiegel11.01.2017, 16:34 Uhr
    Nazi-Krankenkasse plant Lager für adipöse Menschen in Nord-Korea.

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