Presse zu Gottschalk-Aus
„Die Profis haben auf ganzer Linie versagt“

Ganz Medien-Deutschland hatte im Prinzip das Ende von „Gottschalk Live“ erwartet. Das Publikum habe entschieden, lautet die einhellige Meinung. Und die Sendung nicht geschaut.
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DüsseldorfEigentlich ist über Thomas Gottschalk und dem mehr oder minder schleichenden Niedergang seiner Vorabendshow „Gottschalk Live“ schon vor der offiziellen Verkündung des Endes am gestrigen Mittwoch bereits alles gesagt gewesen. Die Kritik am Moderator selbst, am Format, auch an der Unterhaltungsbranche hat auch Handelsblatt Online dokumentiert und mitgeprägt. Das im Prinzip schon seit Wochen besiegelte Aus überraschte letztlich niemanden mehr, allerdings entlockte die Gewissheit des Abschieds zahlreichen Kollegen einen Meinungsbeitrag. Die Presseschau.

„Der Neuanfang im März verzögerte das absehbare Ende lediglich“, schreibt Peer Schrader in der Frankfurter Rundschau. „Der ehemalige „Beckmann“-Redaktionsleiter Markus Peichl sollte die Show retten – und machte alles nur noch schlimmer. In einer Hauruckaktion wurde das alte Studio mit seiner charmanten Wohnzimmeratmosphäre dichtgemacht, im wahrsten Sinne des Wortes. Den Fensterblick auf den Berliner Feierabendverkehr verstellt seitdem ein düsteres Talk-Verlies, das wirkt, als sei es eilig aus den Kulissenresten der ARD-Polittalks zusammengenagelt worden. Plötzlich saß Publikum in der Show, allerdings wie in einer Legebatterie mit Stromausfall. Gottschalk musste jeden Tag Promis interviewen, obwohl das keineswegs zu seinen Kernkompetenzen gehört. Und jedes Mal hatte er einen dicken Stapel Moderationskärtchen in der Hand. Er kann froh sein, dass dieser Schmarrn in wenigen Wochen aufhört und er sich nicht weiter verbeckmannen lassen muss.“

Bei Sueddeutsche.de äußert sich Christoph Keil wie folgt: „‚Über das Schicksal eines Fernsehmoderators entscheidet das Publikum’, erklärte Gottschalk. ‚Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass es mir nicht gelungen ist, an diesem Programmplatz genügend Zuschauer zu begeistern. Trotzdem hat mir diese Erfahrung großen Spaß gemacht.’ So spricht ein freier Mann, einer, der weiß, wie man Verträge erfüllt und einer, der schon vor seinem Dienstantritt für die ARD ausgesorgt hatte. Sorgen muss sich um Thomas Gottschalk niemand. Er wird noch ein bisschen weiter Fernsehen machen, schon allein, um seinen Werbewert zu behalten, der ihm ja ordentliche Gagen ermöglicht. Und im Sommer 2013 wird kaum noch jemand daran denken, dass es am Vorabend der ARD einmal eine nicht sehr gelungene Late Light Show gegeben hat.”

„Warum nur konnte man Thomas Gottschalk nicht eine Sendung auf den Leib schneidern, die ihm Gelegenheit gegeben hätte, überraschende Alltagsphänomene zu kommentieren? Die Antwort kennen nur die ARD und die von ihr fatalerweise mit der Produktion beauftragte Produktionsfirma Grundy Light Entertainment. Denn es ist ja nicht so, dass sich der Moderator das mutlose, langweilige und somit zum Scheitern verurteilte Konzept von „Gottschalk Live“ ausgedacht hätte - das machen sogenannte Profis. Sie haben auf ganzer Linie versagt“, schreibt Stefan Kuzmany auf Spiegel Online.

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„Verdientes Schicksal“

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  • Nina
    Es war leider von Anfang an eine Totgeburt, weil das Format überhaupt nicht zu Thomas Gottschalk passte. Man hat nach seinem Abschied von "Wetten, dass...?" viel zu schnell eine neue Sendung an den Start gebracht, ohne zu überlegen, was zu ihm passt. Dazu eine junge, komplett unerfahrene Redaktion, die mit ihm überhaupt nichts anfangen konnte. Die nicht nur unkreativ, sondern höchst unprofessionell gearbeitet hat und ihn mehrfach mit falschen Einspielern bis auf die Knochen blamiert hat. 30 hochbezahlte Leute, die nichts auf die Beine gestellt haben, die nichts aus dieser Sendung gemacht haben. Die Profis haben auf ganzer Linie versagt, dem kann ich nur zustimmen. Gottschalk hat mit "Late Night" oder seiner "Houseparty" bewiesen, dass er es kann. Damals hat er nicht nur Promis interviewt. Er hatte Leute zu Themen befragt, die die Menschen wirklich bewegen. Da waren auch mal Persönlichkeiten wie Notker Wolf oder Anselm Grün in der Sendung - oder skurrile Alltags-Menschen. Es saßen keine zu Tode gelangweilten Promis wie Heino Ferch in der Sendung, die nichts aber auch gar nichts zur Unterhaltung beigetragen haben. Promis, die ihr neues Produkt bewerben wollen, das will keiner mehr sehen. Gottschalks Stärke, das ist der Talk mit ungewöhnlichen Menschen. Und diese Geschichten, die gibt es jede Woche, jeden Tag, in Zeitschriften, Zeitungen, im Netz, überall. Dass es einer Redaktion mit 30 Leuten nicht gelingt, diese Geschichten zu erkennen, und diese Menschen in die Sendung zu bringen, das ist erbärmlich und ein Armutszeugnis. Das Experiment ist gescheitert, dabei hätte es eine launige und schöne Sendung werden können. Die Wohnzimmeratmosphäre zu Beginn war heimelig und schön.Das hätte man lassen müssen, statt ein steriles Studio wie zig andere zu präsentieren.Es wurde ein Fehler nach dem anderen gemacht. Schade, dass Gottschalk offenbar keine guten Berater hat, die ihn vor dieser Katastrophe gewarnt haben. Oder hat er nicht auf sie gehört?

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