Produzent Quirin Berg
Kein Film wie jeder andere

Quirin Berg war ein junger, aufstrebender Produzent, als er die Chance seines Lebens bekam und ergriff: den Film "Das Leben der Anderen" von Regisseur Henckel von Donnersmarck zu produzieren. Drei Jahre später spaziert Berg in Los Angeles über einen roten Teppich.

MÜNCHEN. Es kann einem schon mal etwas schwindlig werden, wenn man vor Clint Eastwood, Will Smith und Cameron Diaz über einen roten Teppich geht. Wenn man eine Urkunde von Charlize Theron überreicht bekommt. Wenn man eines Nachmittags Ende Februar 2007 in einer Limousine abgeholt wird und in einem Zick-Zack-Kurs durch Los Angeles gefahren wird und die vorfrühlingshaft warme Luft der Stadt aufsaugt, in der Träume gemacht werden. Quirin Bergs Augen leuchten immer noch, wenn er von der Atmosphäre dieser Stadt schwärmt, "wo die Menschen für Filme leben, wo einem eine unglaubliche Energie entgegenschlägt". Man kann es also verstehen, dass es an diesem Abend ein paar Minuten gibt, von denen er nicht mehr weiß, was da genau passiert ist. Versuchte man, diese Minuten zu rekonstruieren, käme man zu dem Schluss, dass kurz vorher Florian Henckel von Donnersmarck den Oscar für den besten ausländischen Film erhielt. Der Film, der da ausgezeichnet wurde, war "Das Leben der Anderen", ein Film, an den Quirin Berg und sein Kompagnon Max Wiedemann geglaubt hatten, als dieser noch der Debütfilm eines unbekannten Regisseurs war. Denn noch vor drei Jahren hat kaum jemand auf diesen Film gesetzt.

Ein Jahr nach der Oscarverleihung steht der 30-jährige Quirin Berg selbst auf der Bühne, auch wenn es eine kleine Bühne ist und das Publikum nur aus einem Fotografen und einem Reporter besteht. Das Münchner Arri-Kino in Schwabing: tiefe, dunkelrote Sitze und eine Leinwand, vor der Berg jetzt fotografiert wird. Man merkt, dass er niemand ist, der auf Knopfdruck ein Blenderlächeln anknipsen kann. Das Posen fällt ihm noch ein bisschen schwer. Aber eigentlich ist es auch kein Wunder, denn als Produzent arbeitet er eher im Hintergrund dafür, dass andere im Scheinwerferlicht stehen. Die wenigen Fotos, die es bisher von ihm gibt, zeigen ihn neben Henckel von Donnersmarck und Max Wiedemann. Alle drei tragen Smoking, meist hält einer den Oscar in der Hand. Doch während Henckel von Donnersmarck die Gold-Statue mit der Gewissheit eines Mannes hält, der schon sehr lange Zeit wusste, dass dieser Moment kommen wird, ja kommen muss, wirken die beiden Produzenten Berg und Wiedemann wie zwei junge Männer, die gerade deshalb so außer sich vor Freude sind, weil sie damit nun wirklich nicht gerechnet haben. Da Wiedemann ebenfalls sehr groß ist, wirkt Quirin Berg schon fast zierlich neben den beiden Hünen.

Obwohl ihn das Posen etwas anstrengt, hat er eine vertraute Beziehung zum Arri-Kino. Denn das Schwabinger Kino ist zwar nicht sein zweites Zuhause, aber schon so eine Art erweiterter Arbeitsplatz. "Das Arri-Kino hat eine große Tradition", erzählt er später in der Lobby, "wir selbst haben unser Büro nur zwei Minuten von hier entfernt". Es ist Nachmittag, kaum jemand interessiert sich für das Nachmittagsprogramm, die zugige und kalte Lobby ist bis auf ein paar ältere Damen fast leer. Vor zehn Jahren arbeitete der gebürtige Münchner Berg nebenan als Praktikant bei der Filmkamerafirma Arri, jetzt sitzt er hier im Foyer im weit aufgeknöpften Hemd und Jackett als einer der beiden Männer, die an "Das Leben der Anderen" geglaubt haben, als es noch der größenwahnsinnige Debütfilm eines Regie-Studenten der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) in München war. Entspannt, aber konzentriert erzählt er, wie sie nun selbst Aufträge hierher vergeben oder das angeschlossene Arri-Kino nutzen, um Test-Screenings zu machen, wenn sie mal einen Rohschnitt auf der großen Leinwand sehen wollen.

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