„Produzenten müssen auffallen. Wer kennt schon einen von uns?": Die Mutter der Filmkompanie

„Produzenten müssen auffallen. Wer kennt schon einen von uns?"
Die Mutter der Filmkompanie

Regina Ziegler ist erfolgreiche Produzentin und eine strenge Chefin. Ein Besuch in Zeiten der Berlinale.

Der Weg zu Regina Ziegler führt über einen langen roten Teppich. Der Besucher fühlt sich dabei schon selber wie ein Kinoheld. Hübsch passend zum Metier der Dame mit dem Hang zum Inszenieren. Am Ende der Teppichstrecke, einmal quer und kurvenreich durch eine riesige Berliner Altbau-Etage, empfängt die Hausherrin mit John-Wayne-Stimme und im schwarzen Gewand. Letzteres fällt auf, denn im Hause Ziegler ist ansonsten alles rot: Telefone, Teekannen, Visitenkarten, Videohüllen. Ziegler-Rot eben, eine ganz eigene Farbe.

Kein Zufall, sondern Signal. "Produzenten müssen auffallen. Wer kennt schon einen von uns? Man kennt die Regisseure, die Schauspieler", sagt Regina Ziegler halb lustig, halb ärgerlich. Doch sie ist die Ausnahme. Auch sie ist bekannt. Seit mehr als drei Jahrzehnten ist Ziegler die Mutter Courage des deutschen Films. Die Sorge, sie selbst könnte nicht genug auffallen, muss sie kaum hegen. Ihr außergewöhnliches Verhandlungsgeschick ist Legende. Ihr Name steht für Gefühlskino und hohe Einschaltquoten.

Sie hat den Zweiteiler über Willy Brandt "Im Schatten der Macht" produziert ebenso wie ein Porträt über Axel Springer ("Der Verleger") oder die "Geierwally" mit Christine Neubauer und das "Solo für Klarinette", eine hocherotische, komplizierte Liebesgeschichte mit Corinna Harfouch und Götz George. Wie passt das alles zusammen? "Wir brauchen diese Mischung aus schnell verderblichen Stücken fürs große Publikum und schweren Stücken für die Kritik, für die Kollegen und fürs Image", sagt Ziegler.

Der preisgekrönten 60-Jährigen fehlt zum perfekten Glück nur der Oscar, wie sie mal sagte. Sie ist eine üppige Erscheinung - am liebsten in Miyake-Verhüllung - mit rötlichen Haaren, die sich, ihr Leben und ihre Arbeit liebt und gern in wohl überlegten Worten und Bildern darüber spricht. Beispielsweise über ihre Kindheit in den fünfziger Jahren. Film ab: Der Vater war Brunnenbauer, suchte in Indien mit der Wünschelrute Wasseradern und war selten daheim in Oberkirchen, einem Nest im Westfälischen.

Die Mutter, Reginas erste Heldin, war Reporterin. Sie schrieb auch über Filme und nahm ihre Tochter mit ins Kino. Noch heute beginnen Reginas Augen zu leuchten, wenn sie sich daran erinnert: "Ich liebte das, wenn es dunkel wurde, und ich saß mittendrin - im Schicksal von anderen Menschen." Dann musste sie die Artikel der Mutter beurteilen. "Das schult." Die beiden hatten ein inniges Verhältnis: "Mutter Trude und ich, wir waren Freundinnen."

1964 geht Regina Ziegler nach Berlin und will Jugendrichterin werden. "Nach dem humanistischen Abitur erwartete Trude eine akademische Karriere von mir." Sie studiert Jura, bricht das Studium ab, arbeitet beim Sender Freies Berlin und gesteht später: "Ich habe die Großstadt wohl ernster genommen als das Studium."

Beim Fernsehen lernt sie ihren Mann kennen, den Regisseur Wolf Gremm. Von dem spricht sie meist nur von "dem Gremm". Zu Ziegler-Gremm gehört Tochter Tanja (37) aus erster Ehe und Enkelin Emma, ein Jahr alt. "Sehr willensstark", sagt Regina Ziegler amüsiert. "Das Imperium könnte erhalten bleiben."

Und noch jemand gehört zur Familie: die Schauspielerin Brigitte Mira. Ihre älteste Freundin. "Die Regina gibt mir immer eine Rolle, die passt auf mich auf", sagt die Mira. Wer in Berlin in ein kleines Programmkino an der Bleibtreustraße geht, sieht als Unterstützung die Namen der Ziegler-Familie an den Sitzen. Und neben Ziegler-Tochter Tanja ist der Sitz von Brigitte Mira. Bei so viel Nähe versteht es sich von selbst, dass Regina Ziegler zum 95. Geburtstag der Mira eine "tolle Gala" plant.

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