Provokation im Selbstverlag
Die Affäre Strauss-Kahn in Fiktion

Was könnte wirklich passiert sein - damals in New York, als die Affäre um Ex-IWF-Chef Strauss-Kahn begann? Marc-Édouard Nabe lässt dazu seiner Fantasie freien Lauf. Schließlich soll sein Buch provozieren.
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ParisStarker Tobak, würde mancher wohl sagen. Was der französische Schriftsteller Marc-Édouard Nabe in seinem Buch „L'enculé“ (etwa: Das Arschloch) über eine Sex-Affäre schreibt, die von den Schlagzeilen über den Ex-IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn (DSK) inspiriert ist, geht tief unter die Gürtellinie. Was er dabei erzählt, ist Fiktion. Und so erzählt er in der Ich-Form von einer Begegnung zwischen dem Protagonisten und einem schwarzen Zimmermädchen im Hotel in New York.

Nabe versucht, sich in den früheren Spitzenbanker zu versetzen - so wie Jonathan Littell, der in seinem Bestseller „Die Wohlgesinnten“ in die Haut eines nationalsozialistischen Verbrechers geschlüpft ist. Der Roman Nabes ist im Selbstverlag erschienen, nicht weil sein Autor ein Unbekannter wäre, sondern wohl auch aus Angst von Verlagen vor zahlreichen Klagen.

Und selbst wenn der offizielle Literaturbetrieb in Frankreich ihn boykottiert: Das Buch wird dennoch gekauft. Die erste Auflage von 2000 Exemplaren sei vergriffen, die zweite Auflage habe er bereits drucken lassen, wie er selbst angibt - und zwar in Deutschland.

Was Nabe schreibt, ist an Zynismus und Spott schwer zu überbieten. Nabe konzentriert sich auf das, was hinter der Zimmertür in New York vorgefallen sein könnte, und auf die kurze Zeit danach mit Haft und Hausarrest. Der 62-jährige Autor entleiht sich für den Roman die Namen seiner Figuren aus der Realität. Und er tut so, als versetze er sich auf den rund 250 Seiten in den Kopf und den Körper seiner Romanfigur, die abgekürzt DSK heißt.

Zur Inspiration durch die Wirklichkeit sagte der Autor in einem Interview: „Je mehr sich die Affäre zuspitzte, desto mehr wurde daraus der geeignete Roman für mich, mit allen Elementen, die mich interessieren.“

Und die sind: Sex, Geld, Politik, Amerika. Voller Häme zieht er in seinem Roman auch über die Frau der DSK-Figur her. Diese hinterlegt für dessen Entlassung aus dem US-Gefängnis Geld. Und zwar, so interpretiert es Nabe, um danach aus ihrem Ehemann den ersten jüdischen Präsidenten Frankreichs zu machen.

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Die Affäre Strauss-Kahn in Fiktion

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Ein „enfant terrible“ der französischen Literatur

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