Rabatt
Das bestgehütete Geheimnis im Kunstmarkt

Im Kunstbetrieb ist die heikelste aller Fragen die nach dem Discount. Alle Galerien lassen Schnäppchenjäger abblitzen. Aber sie handhaben den Preis höchst individuell. Der Großsammler zahlt weniger als der Einsteiger.
  • 0

BERLIN. Es geschah auf dem Höhepunkt der Krise: Ein prominenter New Yorker Großsammler besucht eine junge Berliner Galerie, wählt fünf Bilder zum Kauf aus und verlangt 40 Prozent Rabatt, plus die Übernahme der Transportkosten nach New York! Entsetzt lehnt die Galerie ab. Wütend verlässt der Sammler die Galerie. In der Regel erhalten Künstler und Galerist je 50 Prozent des Verkaufspreises, die Galerie hätte also im Zweifel ein Minus gemacht. Dennoch gab es ein Happy End: Als der Sammler ein halbes Jahr später wieder in Berlin ist und nach den fünf Bildern fragt, kann die Galeristin ihm stolz verkünden, dass sie bereits einen anderen Käufer gefunden hat und dass der Rabatt bei 20 Prozent lag.

Die Story ist kein Einzelfall. Preisverhandlungen gab es in Galerien immer. Seit der Finanzkrise jedoch ist das Kunstklima herb und beutelt vor allem den Zeitgenossen-Markt. Momentan sind aggressive Schnäppchenjäger unterwegs, die aus der Krise Profit schlagen wollen und unverschämte Rabatte fordern. Wie reagieren Galeristen darauf? Wird die Galerie zum Basar, auf dem heftig gefeilscht werden darf? Wird das Geschäft zwischen Galeristen und Sammlern zum erbitterten Preispoker?

„Wir pokern nicht“, beteuert Philomene Magers von der Galerie Sprüth Magers (London, Berlin), „aber gute Kunden bekommen einen kleinen Rabatt, Museen auch, das ist immer Verhandlungssache. Jeder Fall ist individuell.“ Und sie räumt ein: „Freche Sammler gibt's, aber wir gehen nicht darauf ein.“ „Bei uns fliegt einer, der einen unverschämten Rabatt fordert, achtkantig raus“, versichert Tim Neuger von der Berliner Galerie Neugerriemschneider.

Ähnliches weiß Rachel Lehmann von der New Yorker Galerie Lehmann Maupin zu berichten: „Zwei-, dreimal erschienen Sammler in der Galerie, die wollten alles für 50 Prozent Discount kaufen. Wir haben das natürlich nicht akzeptiert. Das waren übrigens keine Amerikaner, sondern prominente Sammler aus Europa.“ Lehmann wird schnell grundsätzlich: „Bei jedem Verkauf muss man sich fragen, warum verkaufe ich? A) um meine Unkosten zu decken, b) um den Künstler zu fördern, oder c) um einem Sammler beim Aufbau seiner Sammlung zu helfen?“ Für alle drei Fälle sind die Strategien unterschiedlich. Prinzipiell gilt: Man muss den Markt kennen und halten. Keinesfalls darf die Galerie in schlechten Zeiten die Preise enorm senken. „Wir haben das mit den Künstlern der ,Transavantgardia', mit Chia, Cucchi, Clemente und Palladino erlebt. Die haben sich nie mehr erholt.“

Die Branche lebt von der Illusion steigender Preise

Monika Branicka von der Galerie ZAK Branicka (Berlin) bestätigt: „Wenn man hohe Preisnachlässe gibt, verliert man den Respekt der Sammler, denn das spricht sich schnell herum – und man schadet letztlich dem Künstler.“

Seite 1:

Das bestgehütete Geheimnis im Kunstmarkt

Seite 2:

Kommentare zu " Rabatt: Das bestgehütete Geheimnis im Kunstmarkt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%