Raffael
32 Millionen Euro für eine kleine Meisterzeichnung

Rekordpreise für Raffael und Rembrandt schieben bei Christie's das Karussell der Mega-Kunstpreise wieder an. Raffaels Zeichnung einer Muse im Götterparnass in den Stanzen des Vatikan kostete 29,2 Mio. Pfund. Rembrandts anonymes Männerporträt erreichte mit 20,2 Mio. Pfund auch einen Welthöchstpreis.
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LONDON. Eine fast 500 Jahre alte, nur 30 cm große Kohlezeichnung von Raffaello Santi, genannt Raffael, wurde am 8. Dezember bei Christie's in einem langen Bietgefecht zum zweitteuersten Altmeister der Auktionsgeschichte - und zog mit einem Preis von 29,2 Mio. Pfund - 32,2 Mio. Euro - ohne Zögern an einem in der gleichen Auktion für 20 Mio. Pfund verkauften Rembrandt-Gemälde vorbei. Zeichnung schlägt Gemälde im Preis - das kommt nicht oft vor.

Käufer der Raffael-Zeichnung war ein anonymer Telefonbieter, den die New Yorker Spezialistin Jennifer Wright vertrat. Sie bot zuletzt in 100 000 Pfund Schritten gegen den Londoner Händler Jean-Luc Baroni bot. Baroni bot im Saal für einen Kunden und war wohl bei 25 Mio. Pfund an sein Limit gekommen. "Wir alle hatten geglaubt, das Blatt würde gerade 12 Millionen bringen", sagte Handzeichnungsspezialist Martin Grässle von der Münchener Kunsthandlung Katrin Bellinger.

Die Arbeit war auf 12 bis 16 Mio. Pfund geschätzt - doppelt so hoch wie der bisherige Höchstpreis für Altmeisterhandzeichnungen, der 2000 bei Christie's für Michelangelos Skulpturenskizze des Auferstandenen Christus erzielt und dann ein Jahr später für eine "Pferd und Reiter"-Skizze von Leonardo da Vinci wiederholt wurde.

Diese Altmeister-Preise senden positive Signale in den Markt

"Die heute erzielten Preise werden ein klares Signal in den Kunstmarkt schicken. Wir erwarten, dass dies in den nächsten ein, zwei Jahren neue Einlieferungen auslösen wird", sagte Christie's Experte Richard Knight. Hochpreismaterial im Altmeistermarkt ist zwar knapp, aber Knight mag dabei auch heimlich an die jüngst neu Leonardo da Vinci zugeschriebene und von den meisten Experten als authentisch betrachtete, voll ausgeführte Profilzeichnung einer Frau gedacht haben, die 1998 in New York als "Deutsche Zeichnung des 19. Jahrhunderts" für 19 000 Dollar versteigert wurde. Nun wird sie, ohne Rücksicht auf ihre unsichere Provenienz, bereits spekulativ auf über 150 Mio. Dollar geschätzt. Allerdings ist unklar, ob das Blatt je in eine Auktion gelangt und ob die Zuschreibung an da Vinci stimmt.

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