Raubkunst
Hoch gesteckte Erwartungen werden enttäuscht

Mit den Ergebnissen der Taskforce, die den Schwabinger Kunstfund auf Raubkunst untersuchen sollte, sind Kritiker nicht zufrieden. Nur elf Werke können eindeutig ihren ursprünglichen Besitzern zugeordnet werden.

Berlin Tauschen wollte mit Ingeborg Berggreen-Merkel in letzter Zeit wohl niemand. Die Aufgabe der Juristin war heikel und der Ausgang ihrer Untersuchung derart offen, dass sie selbst im Vorfeld mehrmals vor überzogenen Erwartungen gewarnt hat. Nun liegt das Ergebnis ihrer etwas über zweijährigen Recherche offen, und alle sind enttäuscht von der Bilanz der 15-köpfigen „Taskforce Schwabinger Kunstfund“.

25 Monate und knapp 1,9 Millionen Euro für die Klärung der Herkunft von 499 Bildern. Ein solcher Etat an Zeit und Geld bringt die Phantasie zum Glühen. Was für eine Chance, endlich beim Thema der Enteignung von Kunst durch die Nationalsozialisten voranzukommen; um Licht in ein Kapitel des Nationalsozialismus zu bringen, das den deutschen Kunsthandel immens beschädigt hat und ihn bis heute berührt.

Klarheit über elf Werke

Und was hat Kulturstaatsministerin Monika Grütter am Ende der zwei Jahre bekommen? Ein Dokument von 80 Seiten, eine Festplatte mit Forschungsergebnissen zur Sammlung Gurlitt und Klarheit über ganze elf Werke. Fünf davon sind eindeutig zu restituieren, bei Max Liebermanns Gemälde „Zwei Reiter am Strand“ ist das in aller Öffentlichkeit schon geschehen.

Transparente Verpackung

Grütters hat die Übergabe des in transparente Folie gewickelten Datenträgers tapfer gemeistert. Vielleicht war ihr klar, dass eine internationale Taskforce, deren Mitglieder die Provenienzforschung im Fall Gurlitt neben ihren eigentlichen Aufgaben betreiben, nur langsam vorankommt. Nur in elf Fällen konnte die Herkunftsgeschichte lückenlos dokumentiert werden. Bei 117 Werken fanden sich laut Bericht Hinweise auf einen NS-verfolgungsbedingten Entzug.

Tod nach Herzoperation

Die Spur führt jedes Mal zu Hildebrand Gurlitt, ein Kunsthändler von Hitlers Gnaden. Gurlitt durfte ab 1937 die von den Nazis geraubte Kunst verkaufen. Manches gelangte gegen Devisen ins Ausland, anderes erwarben deutsche Sammler – und nicht wenig behielt der Händler für sich. Nach 1945 behauptete Gurlitt; seine Sammlung sei wie seine Korrespondenz beim Angriff auf Dresden verbrannt. Das war gelogen. Im November 2013 erfuhr die Öffentlichkeit, dass sein Sohn Cornelius Gurlitt in München an die 1.200 Kunstwerke hortete und noch einige Bilder und Skulpturen mehr in Salzburg.

Man hat den alten Mann ins Rampenlicht gezerrt und pauschal von Raubkunst gesprochen. Gurlitts Sammlung wurde beschlagnahmt, die einzelnen Werke stehen im Internet zur Ansicht, damit sich die Erben einstiger Besitzer melden können. Gurlitt starb im Frühjahr 2014 nach einer Herzoperation, sein Testament sieht das Kunstmuseum Bern als Erbe vor, eine Cousine hat die Entscheidung angefochten. Das Gerichtsurteil soll Anfang Februar fallen.

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Vorwürfe von Ronald S. Lauder

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