Raubkunst
Verschärfte Maßnahmen in Frankreich

Schwarzhandel mit Antiquitäten aus Syrien und dem Irak und die Zerstörungen der Terrororganisation IS zwingen Frankreich zum Handeln. Ein Kolloquium im Hôtel Drouot sondiert die Lage und diskutiert Strategien.

ParisAls „die Antiquitäten des Blutes“, bezeichneten Teilnehmer eines Kolloquiums in Paris letzte Woche das erbeutete archäologische Kulturgut aus Syrien und dem Irak und dessen Schwarzhandel. „Der Stand der Zerstörung ist nur mit der kulturellen Vernichtung während des Zweiten Weltkriegs vergleichbar. Außerdem hat der illegale Handel aus Syrien, dem Irak, Libyen und Jemen in den letzten drei Jahren um 500 Prozent zugenommen“, behauptet der bei der Unesco für den Schutz des Kulturgutes zuständige Spezialist, Edouard Planche.

Planche war einer der Teilnehmer an dem vom traditionsreichen Versteigerungshaus Hôtel Drouot veranstalteten Kolloquium. Dieses fand unter extremen Sicherheitsvorkehrungen nach den Terroranschlägen in Paris auf Initiative der  Drouot-Auktionatoren statt. Archäologen, die Leiterin des französischen Versteigerungsrates, Catherine Chadelat, der Generaldirektor des Louvre, Jean-Luc Martinez, auf islamische Objekte spezialisierte Kunsthistorikerinnen, der Leiter der Polizei-Spezialeinheit im Kampf gegen den illegalen Handel mit Kulturgütern, spezialisierte Händler, Experten und Forscher, informierten und schlugen konstruktive Maßnahmen vor.

Zerstörung statt Wiederaufbau

Neben den Terroristen von Daech (dem sogenannten Islamischen Staat) betreibt auch die syrische Regierung Raubgrabungen und vermutlich Schwarzhandel. Die vorgebrachten Zahlen, die Daech zur Finanzierung ihrer Kämpfe anhäufte, sollen sich auf 1 Milliarde Dollar alleine im Jahr 2014 belaufen, wobei der Handel mit Antiquitäten angeblich gleichgestellt mit Drogen und Rohöl ist.

Außerdem werden seit 2011 auch die Museen in Syrien bombardiert. Dort sind die islamischen Objekte und Reste architektonischer Bauten aus mehreren tausend Jahren untergebracht, um sie vor der Zerstörung zu bewahren. Laut der Direktorin der Islam-Abteilung im Louvre, Yannick Lintz, erleben wir einen historischen Bruch. Seit 2000 Jahren wären beschädigte Mausoleen, Statuen usw. wieder aufgebaut worden; dagegen würden sie derzeit systematisch zerstört. „Die Islamisten greifen den Islam an, nicht dessen ‚Idole’. Sie wenden die Doktrin der Zerstörung der religiösen Gegner rigoros an“, meint Lintz. Deren Vorgesetzter Jean-Luc Martinez wurde von Staatspräsident François Hollande mit der Erstellung eines (kürzlich vorgelegten) Berichts beauftragt, in dem er Maßnahmen zum Schutz des syrischen Kulturgutes vorschlägt.

Legaler Handel extrem geschädigt

Das französische Kulturministerium bereitet derzeit eine Gesetzesnovelle zur Überwachung der Ausfuhr von Kulturgütern vor. Sie schließt jedoch im Gegensatz zur deutschen Regelung aus, die Einfuhr zu kontrollieren. Ein Archäologie-Experte konstatierte, dass der legale Handel mit einschlägigen Gütern „extrem geschädigt“ sei. Der Leiter der Spezialeinheit der Polizei im Kampf gegen den illegalen Handel mit Kulturgütern fügte hinzu, man müsse davon ausgehen, dass bereits angekaufte Objekte fünf bis sechs Jahre in Zollfreilagern aufbewahrt werden und anschließend mit einer erfundenen Provenienz auf den Markt kommen könnten.

Das Finanzamt reagierte bereits am 23. November 2015 mit einer Ausdehnung der Kompetenzen der „Zelle für den Kampf gegen Geldwäsche und Finanzierung des Terrorismus“ (TRACFIN). Diese kann in Zukunft in diverse Listen Einblick nehmen; wie die für polizeilich gesuchte Personen; für Terrorismus Verdächtigte und in Bankkonten.

Die einzige Schwäche dieses Kolloquiums war seine franko-französische Ausrichtung. Aber offensichtlich reguliert jedes Land seine eigenen Methoden zur Bekämpfung des illegalen Handels statt – zumindest nebenbei - staatenübergreifend zu handeln.

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