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Raus aus der Zivilisation: Wandern boomt

Mit Hut, Stock und Rucksack geht es über Berg und Tal. 34 Millionen Deutsche geben Wandern als ihre beliebteste Outdoor-Aktivität an. Allerdings haben Jung und Alt unterschiedliche Ansichten über dieses Hobby.

dpa GERA. Mit Hut, Stock und Rucksack geht es über Berg und Tal. 34 Millionen Deutsche geben Wandern als ihre beliebteste Outdoor-Aktivität an. Allerdings haben Jung und Alt unterschiedliche Ansichten über dieses Hobby.

„Das Irre ist: Während das Wandern bei den Erwachsenen boomt, hatten wir noch nie so wenige Jugendliche, die sich dafür interessieren“, sagt der Vorsitzende des Deutschen Wanderinstituts, Rainer Brämer, zum Start des 105. Deutschen Wandertages.

Von Donnerstag bis zum 25. Juli werden bis zu 30 000 Wanderer in der Thüringer Saale-Region erwartet. Zwei Jahre lang hat sich die Ostthüringer Region auf diese Gäste vorbereitet. Die Wandervereine bauten neue Hütten, verschönerten Wege, stellten Bänke auf - und bereiteten 120 Themen-Tripps vor. Unter dem Motto „Höhenluft & Kräuterduft“ können die Naturfreunde „Auf den Spuren der Buckelapotheker“ wandern. Weitere Angebote lauten „Auf Goethes Spuren unterwegs im Thüringer Wald“, „Auf den Spuren der Goldwäscher“ oder „Auf den Napoleonwegen von der Glockenstadt Apolda zur Klassikerstadt Weimar“.

Normalerweise liegen geführte Wanderungen nicht im Trend, sagt Brämer. „Das entscheidende Motiv für die Wanderer ist: raus aus der Zivilisation und die Natur genießen.“ Etwa zehn bis 15 Prozent der Wanderer seien sportlich unterwegs, und ein bestimmter Teil nutze dieses Hobby, um sich in Ruhe mit Freunden unterhalten zu können. Zwei Prozent der Wanderer sind laut Brämer in Vereinen organisiert. „Sie sind Geselligkeitswanderer“, sagte der Experte und Leiter der Forschungsgruppe Wandern an der Universität Marburg.

Das druckfrische Wandertags-Büchlein „Wandern? Ja Wandern!“ soll mit Rätseln, Aufgaben und Geschichten Kinder davon überzeugen, Gameboy und Fernseher öfter gegen Wanderschuhe einzutauschen. Der Nachwuchs ist derzeit bei den Wanderern in Deutschland unterrepräsentiert: Jeder Zweite sei älter als 60 Jahre, heißt es beim Wanderverband, der deshalb die Lehrer auffordert, wieder mehr mit ihren Schülern zu wandern.

100 000 Mitglieder zählt die Jugendorganisation des Deutschen Wanderverbandes, die Deutsche Wanderjugend. Deren Geschäftsführer Jörg Bertram schwärmt von einer modernen Form des Wanderns, dem Geocaching: Ausgerüstet mit einem Navigationssystem und den Koordinaten lassen sich gefüllte kleine Schachteln finden, die ein anderer an ungewöhnlichen Plätzen versteckt hat. „Es ist eine Art moderne Schatzsuche“, sagt Bertram. Zweieinhalbtausend Geocaching- Verstecke gebe es in Deutschland bereits.

„Jugendliche wollen mehr als nur laufen, sie wollen etwas erleben“, sagt Brämer. Kinder und Jugendliche begeistern sich für Höhlen- oder Nachtwanderungen, erkunden die Natur in Begleitung von Esel oder Lama oder laufen kilometerweit barfuß durchs Gebirge. „Es geht darum, zu wandern, ohne sich dessen bewusst zu sein“, sagt der Geschäftsführer der Wanderjugend. Die bei jungen Leuten verbreitete Vorstellung, dass Wandern zwangsläufig mit Langeweile und monotonem Laufen zusammengehört, erscheine damit in einem neuen Licht.

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