"Rede an meine Bilder“
Ein Künstler auf Wanderschaft

Jörg Immendorff kämpft um seinen Ruf und sein Werk. Das ist so gefragt wie verrätselt: Was sagt es über sein Leben?

Wenn er könnte, dann riefe er alle seine Bilder zu einem Konvent zusammen, irgendwo in einen geräumigen Vortragssaal. Er würde sie vor sich aufbauen, sie platzieren wie ein Publikum, das sich zu einer Ansprache versammelt. Immendorffs Publikum wären seine Werke, und er würde ihnen mit einer „Rede an meine Bilder“ von ihrem Ursprung berichten, von ihrer Herkunft und von ihrem Auftrag. Er, Immendorff, würde seinen Bildern vielleicht davon erzählen, was es mit der Kunst auf sich hat und mit der Verantwortung für die Kunst, die bei allen liegt – beim Urheber, bei der Gesellschaft, beim Betrachter.

Vielleicht würde Immendorff dann, nachdem er die „Rede an meine Bilder“ gehalten hätte, sich in sein Düsseldorfer Atelier begeben und die vorläufige Summe seiner künstlerischen Produktion beginnen, ein „Bild der Bilder“, das gleichzeitig zusammenfasst und verdeutlicht, was ihn als Künstler bewegt hat – die Bewegung selbst. Ein Künstler sei ein Mensch auf Wanderschaft, weiß Immendorff, für den die Welt Station ist und nicht ein lächerlicher Endpunkt.

Jörg Immendorff muss sich zurzeit vor Gericht verantworten, weil ihm vorgeworfen wird, gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen zu haben. Erwerb und Besitz von Kokain, mit dem er erwischt wurde, sind hier zu Lande strafbar. Eine eventuelle Strafe könnte ihn, Immendorff, zudem die Professur an der Düsseldorfer Kunstakademie kosten – ein Amt, das ihm schon deshalb wichtig ist, weil er gerne lehrt, zumal dort, wo er 1964 auf den Lehrmeister seines eigenen künstlerischen Lebens traf: Joseph Beuys.

Beuys’ Foto ist über dem Eingang des Immendorffschen Ateliers in der Düsseldorfer Stephanienstraße angebracht; eine seiner typischen, vieltaschigen Anglerwesten hängt an der weiß gekalkten Ziegelwand nebenan. Joseph Beuys, dessen aufsässiger Meisterschüler er war, ist in zahlreichen Bildern Immendorffs gegenwärtig, etwa in „Fruchtmann“, „Heran an die Bilder“, „Beuysland“ oder „Kleine Reise (Hausensülze)“.

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