Reform der Reform ist damit noch nicht sicher
Fünf Länderchefs gegen neue Rechtschreibung

Mehrere Ministerpräsidenten haben sich dagegen ausgesprochen, die Rechtschreibreform 2005 verbindlich werden zu lassen. Laut einem Pressebericht wollen sie umfangreiche Nachbesserungen durchsetzen.

HB BERLIN. Gegen die Rechtschreibreform formiert sich massiver Widerstand. Laut einem Bericht der «Welt am Sonntag» (WamS) will nun auch der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Erwin Teufel (CDU) die Rechtschreibreform nachbessern. Er wolle den Beratungen der Ministerpräsidentenkonferenz zwar nicht vorgreifen, aber dass bei der Rechtschreibreform in vielen Fällen übers Ziel hinaus geschossen wurde, sei offensichtlich, sagte er der Zeitung. Bisher galt sicher, Teufel (CDU) wäre aus Rücksicht auf seine Kultusministerin Annette Schavan - eine Befürworterin Rechtschreibreform - gegen eine Reform der Reform. Jetzt ändere er den Kurs, wie die «WamS» berichtet.

Damit sind dem Bericht zufolge schon fünf Ministerpräsidenten vom Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) abgerückt, die Rechtschreibreform 2005 verbindlich werden zu lassen. Das sind neben Teufel Christian Wulff (CDU, Niedersachsen), Peter Müller (CDU, Saarland), Edmund Stoiber (CSU, Bayern) und Wolfgang Böhmer (CDU, Sachsen-Anhalt).

Nach Wulffs Ansicht war die Rechtschreibreform von Beginn an «abwegig und jetzt wissen wir: Sie ist gescheitert». Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) nannte die Reform gar eine «Missgeburt, die von den Menschen nicht akzeptiert wird und auf den Prüfstand gehört». Wolfgang Böhmer sagte in der «Welt am Sonntag»: «Da ich die neue Rechtschreibung nie akzeptiert und praktiziert habe, brauche ich zur alten gar nicht zurückzukehren». Er habe die Reform ohnehin nie als gelungen betrachtet.

Laut dem Zeitungsbericht hat Edmund Stoiber (CSU) als amtierender Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) das Thema auf die Tagesordnung des nächsten Treffens im September gesetzt. «Wir wollen eine parteiübergreifende Bewegung auslösen, um bis auf wenige Ausnahmen zur alten Rechtschreibung zurückzukehren», meint Christian Wulff.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hatte Anfang Juni beschlossen, dass die Rechtschreibreform am 1. August nächsten Jahres mit einigen Änderungen verbindlich wird. Die Übergangsfrist, in der alte und neue Schreibung gelten, läuft dann aus und an Schulen und in Ämtern werden ausschließlich die neuen Regeln gelten.

Dass es zu Änderungen oder einer Rücknahme kommt, ist längst noch nicht ausgemacht. So gibt es auch innerhalb der Union Stimmen, die nichts verändern wollen. Roland Koch, der Hessische Ministerpräsident beschied laut «WamS», die Beschlüsse würden stehen und es gebe keinen Bedarf für Veränderung, Dieter Althaus aus Thüringen hält eine Kehrtwende für «sinnlos, weil seit 1998 alle Schüler nach der neuen Rechtschreibung lernen» und Georg Milbradt (CDU) ist ebenfalls dagegen. Ihm graut es, sich schon wieder umgewöhnen zu müssen.

Widerstand kommt auch von SPD-geführten Ländern. «Diesen Sack machen wir nicht mehr auf», sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin Heide Simonis. Eine Reform der Reform lehnt demnach auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit ab. Bremens Bürgermeister Henning Scherff betont indes, es mache wenig Sinn, nun zu kommandieren, «Zurück, marsch, marsch. Alles auf Anfang». Und Kurt Beck aus Rheinland-Pfalz wittert bereits «verantwortungslosen und puren Populismus» bei Wulff, Stoiber und Müller. Es würden Zusatzkosten von bis zu einer viertel Milliarde Euro entstehen.

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