Regisseur Hochhuth streitet mit Theater
Uraufführung von „Heil Hitler!“ geplatzt

Die Uraufführung der Irrenhaus-Komödie „Heil Hitler!“ des umstrittenen Regisseurs Rolf Hochhuths am 24. Juni im Deutschen Nationaltheater Weimar (DNT) ist in letzter Minute geplatzt. Hochhuth und das Theater hatten sich um die Besetzung der geschichtsträchtigen Figuren gestritten.

HB WEIMAR. Die Bemühungen um eine Einigung mit dem Rowohlt Theater Verlag, mit dem Hochhuth zusammenarbeitet, seien gescheitert, teilte DNT-Generalintendant Stephan Märki am Donnerstag mit. Die Forderung des Autors, von der Besetzung zweier Männerrollen durch zwei Schauspielerinnen abzusehen, könne das Theater nicht erfüllen. Hochhuth hatte selbst von Geschichtsfälschung gesprochen. „Nicht Frauen, von seltenen Ausnahmefällen abgesehen, sondern Männer waren die Mörder der Hitlerjahre“, sagte er.

Die Leiterin des Rowohlt Theater Verlags in Hamburg, Corinna Brocher, sagte: „Die Besetzung der Männerrollen durch Frauen ist eine Verletzung des Urheberpersönlichkeitsrechts. Wir haben das Theater im Auftrag Hochhuths aufgefordert, dies zu ändern. Wenn nicht, wird die Uraufführung untersagt.“ Hochhuth sei bei der Besetzungsänderung nicht gefragt worden.

In der DNT-Erklärung heißt es weiter: „Da Herr Hochhuth unsere Konzeption nicht akzeptieren kann und in den Produktionsprozess einzugreifen versucht, ziehen wir uns von seinem Text zurück.“ Das Theater wolle jedoch zum selben Thema „Genie und Wahnsinn“ am 24. Juni Einar Schleefs „Nietzsche-Trilogie“ aufführen. „Wir gehen das Wagnis ein, in so kurzer Zeit unsere Pläne zu ändern.“ Das Theater weise auch den „Vorschlag zur Güte“ des Autors zurück, Regisseur Michael Simon abzusetzen und dafür Märki die Inszenierung zu übertragen.

Hochhuth, der 1963 mit dem Theaterstück „Der Stellvertreter“ bekannt wurde, hatte bereits 1993 die Uraufführung von „Wessis in Weimar“ von Schleef am Berliner Ensemble stoppen wollen. Er erhob letztlich jedoch keine juristischen Einwände. Damals störte er sich am freizügigen Umgang mit seinem Text. Der Autor inszenierte das Stück dann 1994 selbst in Meiningen.

In der Tragikomödie „Heil Hitler!“ geht es um einen jungen Mann im Nazi-Deutschland, der eine Geisteskrankheit simuliert. Er bietet unentwegt und überall den Hitlergruß an, um nicht zur Wehrmacht eingezogen zu werden. Er will damit, das System mit seinen eigenen Mitteln schlagen und es so ad absurdum führen. Laut Hochhuth soll die Irrenhaus-Komödie nun im Sommer in Berlin uraufgeführt werden.

Verlagsleiterin Brocher sagte, es habe seit langem Überlegungen für eine Inszenierung in Berlin gegeben. „Es ist aber noch nicht so weit, dass beim Verlag nach den Rechten angefragt worden ist.“ Mit der Absage des DNT an Hochhuth entfällt auch das Weimarer Gastspiel am 7. und 8. Juli im Berliner Ensemble.

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