Rekordjahr
2010 war Kunst so teuer wie nie

In diesem Jahr wurden auf dem Kunstmarkt die höchsten Preise aller Zeiten erzielt. Der Grund: Die alten Reichen aus der westlichen Welt und die neuen Reichen aus Asien lieferten sich hitzige Bietergefechte um die Ikonen der Kunstgeschichte.
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DÜSSELDORF/LONDON. London, Donnerstag, 11. November. Eine Rentnerin aus dem Kleinbürgerviertel Pinner verfolgt im Saal des Auktionshauses Peter Bainbrigde die Ereignisse. Eine chinesische Vase ist aufgerufen. Die Frau hatte sie auf dem Speicher entdeckt. Schließlich hebt ein junger chinesischer Agent die Hand. Der Preis, den er bietet, lässt alle Mitbieter verstummen. Die Vase aus dem 18. Jahrhundert wechselt für 53,1 Millionen Pfund (85,7 Millionen Dollar) den Besitzer.

Der Käufer selbst bleibt ungenannt. Er lebt in Peking und ist Milliardär, so viel immerhin wissen die Mitarbeiter des Auktionshauses anschließend zu berichten. Er liebt die Kunst und die Diskretion. Die Vase und der Unbekannte stehen für den Trend, der das Jahr 2010 zum "Jahr der Kunst" werden ließ. Reiche Asiaten, überwiegend aus China, trieben die Preise auf dem internationalen Kunstmarkt in bisher unbekannte Höhen. Die Wirtschafts- und Finanzkrise - auf dem Kunstmarkt ist sie überwunden.

Der britische Auktionsriese Christie's hat seit Jahresbeginn in Auktionen und Privatverkäufen weltweit Kunst für umgerechnet 4,95 Milliarden Dollar verkauft. Das ist deutlich mehr als im bisherigen Rekordjahr 2007, gab Christie's gestern in London bekannt. Der ewige Konkurrent Sotheby's erhöhte seine Auktionsumsätze bis Mitte Dezember auf 4,2 Milliarden Dollar - und konnte den Umsatz damit gegenüber dem Vorjahr fast verdoppeln. Christie's und Sotheby's sind die entscheidenden Indikatoren für den Kunstmarkt. Ihre Rekordergebnisse "spiegeln die Globalisierung im Kunstmarkt wider", sagt der Düsseldorfer Kunstberater Jörg-Michael Bertz. Für 2011 sagen Experten wieder ein Boomjahr mit Umsätzen von mehr als 45 Milliarden Dollar voraus.

Denn die reichen Chinesen sind dankbare Abnehmer - aus Gründen des Prestiges. Wie andere Superreiche suchen aber auch sie nach neuen Geldanlagen. So erzielte Picassos liegender Akt aus dem Jahr 1932, "Nude, Green Leaves and Bust", 106,5 Millionen Dollar: Es war das teuerste Kunstwerk des Jahres 2010. Auf Platz zwei folgte die knapp zwei Meter hohe Skulptur des Schweizer Bildhauers Alberto Giacometti. Sie heißt "L?homme qui marche", der schreitende Mann, und stand viele Jahre in der Frankfurter Zentrale der Commerzbank. Sie brachte es auf 104,3 Millionen Dollar. Rang drei belegt das Bild des Italieners Amedeo Modigliani "Nu assis sur un divan", die Nackte auf dem Diwan, das Sotheby's für 69 Millionen Dollar verkaufte.

Chinesen gehören bereits seit Beginn des 21. Jahrhunderts zu den großen Spielern auf dem globalen Kunstmarkt. Vor allem dem Rückkauf nationaler Kunstschätze, die im Zuge des Kolonialismus und der Ignoranz der Mao-Jahre außer Landes gerieten, gilt ihr Interesse. Neu ist, dass sie jetzt auch berühmte Werke der Klassischen Moderne erwerben. Ihre Helden sind auch unsere Helden: Picasso, van Gogh, Matisse und Monet. Zumindest auf dem Kunstmarkt sind Asiaten und der Westen damit vereint.

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  • Die "Kunstobjekte" scheinen so teuer, weil das Geld imme weniger wert wird !

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