Rembrandt-Mythos
Rembrandt steckt nicht in seinen Werken

Rembrandt hat die Malerei vor allem durch seine Maltechnik und Hell-Dunkel-Gestaltung nachhaltig beeinflußt. Aber er ist nicht vom Himmel gefallen, sondern der holländischen Malerei des 17. Jhs. durchaus verpflichtet. Das verhindert aber nicht, daß das Rembrandt-Bild auch heute noch von Mythen bestimmt werde.

HB BERLIN. Das zumindest ist die Ansicht des Münchner Kunstexperten Marcus Dekiert. Rembrandts Erfolg sei gleichwohl darauf zurückzuführen, dass er in wichtigen Punkten wie Maltechnik und Bildgestaltung neue Wege beschritten habe: „Im Bereich des Historienbildes nimmt er Abstand von dem formalhaften barocken Pathos eines Rubens“, sagte der Kunsthistoriker an der Alten Pinakothek. In dieser neuen Zugänglichkeit liege auch heute noch der besondere Zauber von Rembrandts Werken. Wie wenige Künstler vor ihm habe er es vermocht, menschliche Regungen lebendig und für den Betrachter nachvollziehbar darzustellen. „Er war kein Maler von hohlen Gesten, von Madonnen und engelhaften Wesen. Was er malte, war tatsächlich Gefühl, das Bild geworden ist“, so Dekiert.

Oft sei versucht worden, Rembrandts Werk über die Person seines Schöpfers zu erklären - ein Irrweg, wie Dekiert findet: „Wir wissen im Grunde enorm wenig über Rembrandt.“ Der abgehobene Künstler, als der er oft gelte, sei der Sohn eines Leidener Müllers sicher nicht gewesen: „Malerei war im Wesentlichen ein Handwerk, ein Lehrberuf wie jeder andere auch.“ Auch dass der für seine Vielzahl an Selbstporträts berühmte Rembrandt einen Hang zum Narzissmus gehabt habe, sieht Dekiert als Mythos: „Die Selbstporträts waren kein psychologisierender Blick in den Spiegel, sie waren für den Markt gemalt.“ Rembrandt-Porträts seien schon zu Lebzeiten des Künstlers ein viel nachgefragter Artikel gewesen - Folge des Star-Status', den der Maler in der Amsterdamer Gesellschaft zeitweise genoss.

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