Renaissance: Lorenzo Lottos geheimnisvolle Malerei

Renaissance
Lorenzo Lottos geheimnisvolle Malerei

Rom ehrt den venezianischen Maler Lorenzo Lotto mit einer herausragenden Schau. Kunst und Handwerk, Kirche und Geld, Sammler und Heilige beleben Lottos alchimistische Welt.
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Rom Liebhaber von Orientteppichen kennen ihn, Lorenzo Lotto, den Außenseiter der italienischen Renaissance.  Zwar hat der 1480 in Venedig geborene Maler niemals einen Teppich geknüpft, doch hielt er in seinen Gemälden mit größter Detailfreudigkeit anatolische Knüpfwerke fest, die seinerzeit adlige Häuser und heilige Podeste zierten.

So sollte er der Teppichgeschichte dienlich werden. Denn mangels wenig erhaltener orientalischer Teppiche aus dem frühen 15. und 16. Jahrhundert ist man hier auf bildliche Überlieferungen angewiesen.

In Lottos Gemälden kann man die Knüpfkunst des Orients ähnlich gut studieren wie in den Bildern von Hans Holbein d.J., dem ebenfalls das Teppich Attribut zugesprochen wurde. Was nun genau ein Lotto-Teppich ist, lässt sich in der Schau etwa im Gemälde „Die Almosen des Heiligen Antonius“ festmachen.

Das Mittelfeld ist rot grundiert und wird in seiner ganzen Ausdehnung von leuchtend gelbem Blattwerk überzogen, dem ein Muster aus Rauten und Oktogonen zugrunde liegt. Dabei handelt sich um typische Merkmale der ältesten Teppiche aus der westanatolischen Kleinstadt Uschak, die im 16. Jahrhundert zum führenden Teppichzentrum wurde, weshalb Kenner schon mal vom Lotto-Uschaks sprechen.

Katze im Bild

Lottos Liebe zum Handwerk galt übrigens nicht nur der Knüpfkunst sondern auch der Einlegearbeit. Hier legte er sogar persönlich Hand an, und zwar im Chor der Kirche Santa Maria Maggiore von Bergamo. Acht lange Jahre, von 1524 bis 1532, schuf er wie ein bescheidener Dekorateur aus perfekte Geometrien ein geheimnisvolles Ganzes, das in dem deutschen Dichter Herman Hesse einen seiner größten Bewunderer finden sollte.

Die Intarsien enthalten in nuce die Doppeldeutigkeit aller Werke Lottos, die sich aus der Kombination erzählender und symbolischer Elemente ergibt. Dabei wird der symbolische Gehalt vordergründig, während die christliche Erzählung in den Hintergrund tritt. Dies nicht zuletzt durch die Einführung eher kurioser Details, die den Bildern den Charakter von Momentaufnahmen verleihen und deren Bedeutung uns oft verschlüsselt bleibt. Berühmt ist Lottos Darstellung der Verkündigung, in der eine Katze durch das Bild huscht. Was sie zu bedeuten hat, ist unklar.

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