Renaissance
Megatrend Alterswahn

Wiedergeburtskapellen wie „Who“ und „Genesis“ rocken durch den Sommer. Altstars wie H. Schmidt, G. Grass und M. Walser sind trendy – was, bitte schön, ist eigentlich aus dem guten, alten Jugendkult geworden? Die Renaissance des Alterswahns?

DÜSSELDORF. Was machen eigentlich die Teletubbies Tinky Winky, Dipsy, Laa-Laa und Po? Und was ist mit Tick, Trick und Track? Sie wissen schon, all diese quäkenden Tonangeber für Infantilitäten aller Art, elternlose Trendsetter eines gleichzeitig grassierenden und bis in die frühkindliche Oralphase regredierenden Jugendkults.

Sie scheinen ein wenig verstummt, die Heroen unserer Kindchenschemen, und das könnte daran liegen, dass Dinosaurier und Methusalems mal wieder den Ton angeben, was man wörtlich verstehen kann, aber auch (pop-)kulturell überhöht. Die Zahnspange tritt hinter der -prothese zurück, um eine gnadenlos schiefe Metapher zu missbrauchen.

Derzeit ist es, als ob all die drängenden Szenarien wie sich selbst erfüllende Prophezeiungen allmählich einträfen, die uns die Demographen und Demoskopen seit Jahren vorhersagen. „Tatsächlich hat die Vitalisierung des Alters ihren Abschluss noch nicht gefunden“, schreiben die Autoren der „Zukunft des Alters“, eines Sammelbandes der Max-Planck-Gesellschaft.

Ob ihre These einer glückhaften Vorschau oder doch eher einer Drohung gleichkommt, wird auch nach vollständiger Lektüre des Bandes nicht deutlich. Vielleicht hilft einstweilen der Hinweis weiter, dass die Altherrenriege „Rolling Stones“ derzeit wieder unterwegs ist, wenngleich mit erheblichen Mühen, ihre Konzerte auszuverkaufen. Götterdämmerung, endlich, für den Alterspop? Wir wagen zu hoffen.

Wie anders denn als Trendstarre sollen wir uns erklären, dass neulich das gemeinsame Geraune zweier Altschriftsteller – G. Grass und M. Walser – zum „Gipfeltreffen“ erhoben wurde und unserem führenden Intelligenzblatt mehrere Seiten wert war, inklusive Seitenhiebe auf die derzeit amtierende Literaturpäpstin, E. Heidenreich, die – obgleich auch nicht mehr die Jüngste –, die beiden einer „Altmännerliteratur“ geziehen hatte.

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