Rente mit 67
Literatur für die Generation Münte

Keine Angst vor der Rente mit 67: Amüsantes, Nachdenkliches und Praktisches zum Thema Altwerden

KÖLN. Alter bedeutet Abstieg: körperlich, geistig, sozial. Betroffen sind aber immer nur die anderen, jene mit Gehwägelchen, mit Hut im Fond des Wagens oder in der ersten Reihe des Musikantenstadels. So weit die Stereotypen. Tatsächlich werden die Alten immer zahlreicher. 2030 wird beinahe jeder dritte Bundesbürger jenseits der Sechzig sein. Die meisten von ihnen werden dann wohl noch arbeiten. Arme Generation Münte?

Das Alter birgt nicht nur Risiken, sondern auch Chancen. Die Wissenschaft ist längst der Ansicht, dass negative Altersvorstellungen zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden und so zum Verlust von Intellektualität und Mündigkeit führen können. Also: "Vergessen Sie Ihre Angst vor dem Alter. Sie schadet dem Gehirn mehr als Alzheimer oder generelle Demenz", versucht Anne von Blomberg uns zu beruhigen. Ihre Polemik "Generation Aufbruch" lässt an Selbstbewusstsein nichts zu wünschen übrig.

Als "Generation Aufbruch" bezeichnet von Blomberg jene zwischen 1940 und 1960 Geborenen, vom Wirtschaftswunder verwöhnt, und durch Revolte kampferprobt. Ihnen bescheinigt sie schöner, intelligenter, gesünder, kreativer und leistungsstärker als alle vorangegangenen Generationen zu sein - und es im Alter zu bleiben.

Die Autorin entwickelt ihre Thesen nicht aus dem Nichts. Tatsächlich hat sie sich mit zahlreichen Studien, Untersuchungen und Interviews munitioniert. So erfahren wir, "dass Theaterspielen die Ergebnisse von alten Menschen bei Problemlösungstests um fünfundfünfzig Prozent steigert". Von Blomberg will Mut machen. Deshalb gibt sie gleich lebenspraktische Tipps, die bisweilen kurios, aber auch plausibel klingen: "Ziehen Sie sich immer mal wieder mit geschlossenen Augen an. Das trainiert Tastsinn und Konzentrationsfähigkeit."

Von Altersforschern will sich die Autorin ihren Optimismus für ihre Zeit als Silberlocke nicht nehmen lassen. Schließlich gingen diese immer noch davon aus, "dass sich die Gehirne der Generation Aufbruch nicht von denen ihrer Ahnen unterscheiden". Tun sie das denn? Haben sich die Oberstübchen in nur zwei, drei Generationen derart verändert, dass Jahrtausende der Evolution ihre Bedeutung verlieren?

Rechtes Vertrauen zu den Erkenntnissen und Prognosen will sich bei der Lektüre nicht recht einstellen. Das mag auch am schlampigen Lektorat liegen: So heißt unser Bundespräsident nicht Herbert, sondern Horst mit Vornamen. Der einstige US-Präsidentschaftskandidat John Kerry erblickte das Licht der Welt bereits zwanzig Jahre vor 1963. Und Udo Jürgens Song "Mit 66 Jahren" war nicht erst in den neunziger Jahren ein Hit, sondern schon lange vorher. Fazit: Wer alles glaubt, was in dem Buch steht, wird Freude daran haben. Wer aber mit einiger Skepsis darin blättert, wird es nicht gerade als belebend empfinden.

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