Reportage
Hinter den Kulissen des Sonnenzirkus

Beim Cirque du Soleil geht es um Akrobatik, Theater und Tanz. Ab heute kommt die in Montreal beheimatete Artistengruppe mit ihrem Gastspiel nach Berlin. Eine Handelsblatt-Reportage wie der „Sonnenzirkus“ vom Straßenzirkus zum Unterhaltungskonzern wurde.

MONTREAL. Zwischen Reckstangen fliegen Menschen hin und her. Daneben übt eine Truppe am Schleuderbrett. Immer wieder wirbelt eine junge Frau durch die Luft, ehe zwei Männer sie auffangen. Und auf einem Trampolin gibt eine Trainerin den Artisten Tipps, wie sie ihre Haltung in der Flugphase verbessern können.

Im Trainingscamp der Akrobaten herrscht Hochbetrieb. Die drei Studios sind mit blauen Gummimatten ausgelegt. Allein das Zuschauen löst beim ungelenken Betrachter Rückenschmerzen aus. Herzlich Willkommen im Hauptquartier des Cirque du Soleil, jener in Montreal beheimateten Artistengruppe, die weltweit Erfolge feiert und ab heute mit ihrem neuen Gastspiel nach Berlin kommt.

Im Montrealer Distrikt Saint-Michel hat der „Sonnenzirkus“ seit 1997 sein Hauptquartier. Es ist die Schaltzentrale eines Unternehmens, das mit dauerhafter Präsenz in Las Vegas und Orlando und sieben Tournee-Shows international Millionen Besucher anlockt. Die Gebäude an der „2e Avenue“ wirken mit ihrer silbergrauen Fassade wie die Zentrale eines High-Tech-Unternehmens. Aber schon die Gartenanlage lässt Besonderes erahnen. Statt Blumen wachsen in den Beeten Zwiebeln, Paprika und Kürbisse. „Ein Symbol für das organische Wachstum des Cirque du Soleil“, erklärt Zirkus-Sprecherin Chantal Côté.

Heute präsentiert sich der Zirkus als weltumspannendes Unterhaltungsimperium mit 3 000 Beschäftigten, darunter 900 Artisten, und Einnahmen von 500 Millionen Dollar im Jahr. 50 Millionen Menschen haben nach Angaben des Unternehmens bisher die Programme gesehen. In diesem Jahr werden acht Millionen Besucher erwartet. Mit Shows wie „Saltimbanco“, „Quidam“ und „Varekai“ tourt der Cirque derzeit in Brasilien, den USA, Australien und Europa. „Dralion“ wird in Deutschland gezeigt: ab Mittwoch in Berlin, dann in Frankfurt und Düsseldorf.

Ein Prozent des Umsatzes, das heißt fünf Millionen Dollar, investiert der Cirque in Sozialprogramme wie den „Cirque du Monde“: Benachteiligten Kindern und Jugendlichen in aller Welt, vor allem Straßenkindern, werden Artisten-Workshops angeboten. „Wir dürfen nie vergessen, woher wir kamen“, sagt Zirkusgründer und Inhaber Guy Laliberté.

Als 14-Jähriger war Laliberté, Sohn eines Managers des Aluminiumkonzerns Alcan, von zu Hause ausgebüchst, hatte sich als Akkordeonspieler durchgeschlagen und bei Straßenartisten das Feuerschlucken gelernt. In Baie St-Paul, einer Kleinstadt am Sankt-Lorenz-Strom, lernte er Gleichgesinnte wie Gilles Ste. Croix und Daniel Gauthier kennen. Sie gründeten einen Straßenzirkus, der auf lokalen Festivals auftrat, und nannten ihn in Anlehnung an das Stelzenlaufen „Club des Talons Haut“, Club der hohen Absätze.

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