Restitution
Ohne Streit zurück nach Breslau

Nicht immer müssen in Restitutions-Angelegenheiten Anwälte eingeschaltet werden. Im Falle eines Gemäldes von Oswald Achenbach vermittelte das Kölner Auktionshaus Van Ham.
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KölnMehr als 50 Jahre hielt das Nationalmuseum in Breslau Oswald Achenbachs  Gemälde „Via Cassia bei Rom“ von 1878 für verschollen. Vor wenigen Tagen nun kehrte das Werk des Düsseldorfer Landschaftsmalers wieder in die Sammlung des polnischen Museums zurück. Im Mai dieses Jahres hatte die Kriegsverluststelle des Ministeriums für Kultur und Nationalserbe der Republik Polen das Bild im Katalog „Alte Kunst“ des Auktionshauses Van Ham entdeckt. Dort sollte es zur Taxe von 12.000 bis 15.000 Euro zum Aufruf kommen. Hintergrund der polnischen Besitzansprüche: Die perspektivisch reizvolle Szene mit Blick auf den Vatikan war mit anderen Kunstwerken als Vermächtnis des Breslauer Sammlers Conrad Fischer Anfang des 20. Jahrhunderts in die Sammlung des Museums gelangt und während des Zweiten Weltkrieges in Kamenz ausgelagert. Bei der Rückführung der Kunstgüter im Jahre 1946 wurden mehr als 100 Gemälde, darunter auch das Achenbach-Werk, als Diebstahl registriert.

Rechtlich wäre der Einlieferer nicht zu einer Restitution verpflichtet. Nach deutschem Gesetzt hat er das Gemälde gutgläubig ersessen. Mehr als das Juristische wiegt in diesem Fall das Moralische. Als Vermittler zwischen den Parteien trat das Auktionshaus Van Ham auf. Es ist nicht das erste Mal, dass der Kölner Versteigerer Fingerspitzengefühl in Restitutionsangelegenheiten zeigt. Bereits im Streit um Werke aus der Sammlung Ismar Littmann oder Jacques Goudstikker übernahm Van Ham die Rolle eines Mediators und sorgte für eine faire Konflikt-Lösung.

Datenbank der Kriegsverluste

Für die polnische Seite ist die Rückführung des Achenbach-Gemäldes mehr als ein Zufallserfolg. Seit Jahren bemüht sich das Ministerium für Kultur und Nationalerbe Polens, mit speziellen Suchmaschinen den Kunstmarkt nach Kriegsverlusten zu durchleuchten. Auf der Website dieser Institution ist unter der Rubrik „Katalog strat wojennych“ eine Datenbank der Kriegsverluste aufgeführt, die Werke des Rokoko-Porträtisten Antoine Pesne ebenso enthält wie Arbeiten des Scholle-Malers Fritz Erler.

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